Schornsteine, Schiffe, Schweißgeräte, Brückenbauten, Arbeitshelme, Stahlrohre und Krananlagen – das sind die Titelmotive der deutschen Werkpresse. Hier und da tauchen schüchtern zwei Birkenstämme in Gesellschaft photogener Fliegenpilze auf. Manchmal symbolisieren einkaufende Hausfrauen Volksverbundenheit, aber das ist nur ein Zufallstreffer: Frauen spielen hier nur Nebenrollen. Wer sich die Zeit nähme, ganze Jahrgänge der fast unübersehbar vielen Werkzeitungen durchzublättern, machte stets die gleiche Beobachtung: Die Mitarbeiterin, über die so viel diskutiert wird, auch die vom Markt umworbene Frau, sie ist ein sprödes Thema fast aller Betriebs- und Werkblätter.

Wie ist das zu erklären? Ist das eine Beobachtung, die nur Außenstehenden auffällt? Oder spricht es auch aus Reaktionen von Lesern solcher Blätter? Zeigt sich darin Absicht, Ungeschick oder eine Entwicklungstendenz?

Die erste Werkzeitung der Welt erschien vor genau 133 Jahren in den Vereinigten Staaten. Sie hieß „Mechanic“ und wurde von einem Maschinenfabrikanten herausgegeben. Themen für Frauen standen damals selbstverständlich nicht zur Diskussion.

Mit dem 20. Jahrhundert nahm die Zahl der Werkblätter schnell zu. Da diese Entwicklung gleichzeitig mit dem wachsenden Einfluß der Gewerkschaften vonstatten ging, liegt die Frage nach dem Verhältnis beider Institutionen zueinander nahe. In einer Untersuchung kommt Dr. Ernst Zander zu dem Schluß: Die Arbeitnehmervertretungen in Deutschland standen fast überall gegen die Werkpresse, sie wurde von ihnen als Arbeitgeberorgan oft sogar bekämpft. Bezeichnungen wie „Traumpost“ und „Schleimtrompete“ hießen die Vokabeln der organisierten Belegschaft.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich das zu ändern. Selbst H. C. Paulsen, viele Jahre Chef der bundesdeutschen Arbeitgeber, bekannte freimütig: „Mir haben sich die Haare gesträubt, als ich unser Erzeugnis (die frühere Werkzeitung) nach 25 Jahren und mehr wieder angesehen habe. Ich kann es nur als ein Witzblatt betrachten, was wir da in vollem Ernst probiert haben. Wir trauten uns ja gar nicht, die Ideen, die uns heute vollkommen klar sind, irgend jemandem zu sagen. Wir versuchten eben, mit einem ‚Daheim‘, mit einer ‚Gartenlaube‘ unseren Belegschaften, die ja damals weltanschaulich auf einem ganz anderen Standpunkt standen, Unterhaltung zu bieten...“

Das heißt noch nicht, daß die Belegschaft eilig ins Lager der Werkzeitungen übergegangen wäre. Sie ist nach wie vor skeptisch; aber es gibt hier und da Beispiele für eine Zusammenarbeit von Geschäftsleitung und Arbeitnehmer-Organisation in der Werkzeitung. Das wirkt sich nicht zuletzt bei dem Bemühen aus, sich um die arbeitenden Frauen zu kümmern, jedenfalls ihr Interesse zu wecken.

Daß die Gewerkschaften die Frauen brauchen, ist klar, sie werben sogar um sie, und sie haben mittlerweile auch schon viel zu ihren Gunsten verändern können. Daß die Werkzeitungen die Frauen als Leserinnen brauchen, ist auch klar, aber die Versuche, sie zu gewinnen, sind, wenn es sie überhaupt gibt, nicht gerade kühn. Es gibt für diese Unsicherheit eine Erklärung, die zugleich einen Hinweis auf die Qualität dieser Blätter gibt.