Die Labourregierung hat im Kampf um die Position des Pfund Sterling wieder eine Schlacht gewonnen. Das Zahlungsbilanzdefizit, das bereits 1965 gegenüber 1964 halbiert wurde, ist 1966 noch einmal fast um die Hälfte auf 190 Millionen Pfund (2,13 Milliarden Mark) zurückgegangen. Für das laufende Jahr hofft Premierminister Wilson auf einen Ausgleich der englischen Zahlungsbilanz.

Zur Verminderung des Defizits hatte die Regierung einen Sonderzoll von 15 Prozent auf alle Importe mit Ausnahme von Nahrungsmitteln und Rohstoffen erhoben, der im April 1965 auf 10 Prozent ermäßigt wurde. Am 1. Dezember wurde er mit der Besserung der Zahlungsbilanz aufgehoben. Durch diese Maßnahme, die als Verstoß gegen den freien Welthandel besonders von den zuvor nicht konsultierten Partnern Englands in der Kleinen Freihandelszone heftig kritisiert wurde, war es möglich, das Wachstum der Einfuhren unter das der Exporte zu drücken. 1966 stiegen die Ausfuhren um 6,9 Prozent, die Einfuhren nur noch um 3,3 Prozent. Der Importüberschuß betrug aber immer noch 138 Millionen Pfund (1,54 Milliarden Mark).

Bei seinem Bemühen, die englische Wirtschaft wieder aus dem Konjunkturtat herauszuführen, war Wilson auch mit anderen administrativen Eingriffen nicht gerade zurückhaltend:

  • Pfund-Investitionen im Ausland wurden genehmigungspflichtig.
  • Lohn- und Preiserhöhungen können nur mit Einverständnis der Regierung vorgenommen werden.
  • Bei Auslandsreisen dürfen die Engländer je Kopf nur 50 Pfund ausgeben.

Trotz dieser Eingriffe gelang es nicht, Löhne und Produktivität in Einklang zu bringen: Die Industrieproduktion war im zweiten Halbjahr 1966 um 4,5 Prozent rückläufig, die Löhne stiegen im ganzen Jahr um 6 Prozent, die Konsumgüterpreise um 3,9 Prozent. mh.