FÜR Oelze-Freunde und alle, deren Interesse den „irrenden Rittern“ der Kunst gilt, die mit der inoffiziellen Tradition einer manieristischen Malerei und ihren gegenwärtigen Vertretern sympathisieren –

Wieland Schmied: „Richard Oelze“; Musterschmidt-Verlag, Göttingen/Berlin/Frankfurt/Zürich; 64 Seiten mit 34 Abbildungen, 8,70 DM.

ES ENTHÄLT 34 ganzseitige, überwiegend farbige Reproduktionen, die nahezu ein Viertel dieses ungewöhnlich schmalen Oeuvres ausmachen. Die Entwicklung wird mit Beispielen aus den Jahren 1928 bis 1965 belegt – soweit man im Fall dieses norddeutschen Eigenbrötlers von Entwicklung sprechen kann. Wieland Schmied, der 1964 für die Kestner-Gesellschaft die große Retrospektivausstellung eingerichtet hat, die anschließend durch Deutschland wanderte und Oelzes Ruhm begründete, schrieb den einleitenden Essay.

ES GEFÄLLT als die überhaupt erste und dabei vorbildlich knappe Oelze-Monographie; üblicherweise beanspruchen heute zweit- und drittrangige Künstler dickleibige Bände. Wieland Schmied bringt einige unterhaltsame Details aus der wechselvollen und dunklen Vita und bestimmt die Position dieses Außenseiters; er zeigt die Beziehungen zu Max Ernst und Magritte auf, ohne Oelze jedoch für den Surrealismus zu vereinnahmen. Vielmehr wird auf die Tradition des Manierismus verwiesen, auf die Präraffaeliten und Symbolisten. Zum andern erscheint Oelze als der „Maler des Waldes“, der Altdorfer und Wolf Huber näher steht als den Künstlern der Gegenwart, unter denen er keine Nachfolger und kaum Nachahmer gefunden hat.

Gottfried Sello