Von Thilo von Uslar

Die deutschen Gerichte zögern nicht, heute seelische Schmerzensgelder größten Um Fanges zuzubilligen, doch die öffentliche Schmerzensgeldregelung als Ausgleich körperlicher Schäden richtet sich noch immer nach den längst veralteten Direktiven der preußischen Invaliden-Ordnung – natürlich im Einvernehmen mit den Versicherungsgesellschaften.

Bei der ständig wachsenden Zahl der Verkehrsunfälle verdient die deutsche Schmerzensgeldpraxis besondere Aufmerksamkeit. Während Fiskus und Versicherungsgesellschaften durch Steuer- und Prämienerhöhung den Kraftfahrer zunehmend schröpfen, verbleibt die Bereitschaft, Körperschäden aus Verkehrsunfällen finanziell aufzuwiegen, auf dem Stand von vor hundert Jahren.

Nach wie vor halten sich die Gerichte bei der Bemessung des Schmerzensgeldes an die Fischersche Tabelle, deren Aktualität ungefähr der eines Aufklärungsbuches für die christliche Jungfrau von 1840 entspricht.

Von um so größerer Bedeutung ist es, daß nun endlich aus dem Kreis der Richterschaft Kritik an der bisherigen Schmerzensgeldpraxis laut wird. Der Bundesrichter Dr. Wolfgang Gelhaar veröffentlichte in einer Fachzeitschrift Bedenken, denen ein öffentlich bemerkenswertes Echo bisher leider versagt blieb.

Bundesrichter Gelhaar wirft den Gerichten vor, daß sie „bei Körperschäden, insbesondere mit schweren Dauerfolgen, nur ganz unzureichende Schmerzensgeldbeträge zubilligen“.

Hier einige Beispiele aus der gegenwärtigen Praxis der Schmerzensgeldzumessung bei Verkehrsschäden: