Von Hisako Matsubara

In Ingelheim am Rhein finden in diesem Monat die „Japanischen Tage“ statt: Ausstellungen, Vorträge, Vorführungen und was sonst noch zu einem Kulturaustausch gehört.

Ingelheim ist nur eine kleine Stadt, kaum schön zu nennen. Das nahe Mainz und Wiesbaden auf der anderen Rheinseite verdammen es zum kärglichen Provinzdasein. Rotwein und pharmazeutischen Produkten verdankt es seinen Ruf. Kann sich in einer solchen Stadt eine aufwendige Ausstellung lohnen?

Vor einigen Jahren sagte mir ein sehr gebildeten Mann, der lange Zeit in New York gelebt hatte und dem ich von meinen Plänen erzählte, japanische Theaterstücke mit amerikanischen Schauspielern auf amerikanischen Bühnen zu inszenieren: „Kulturaustausch – was soll das? Es hat ja doch keinen Zweck...“

Er, selbst Japaner und als Diplomat im staatlich geförderten Kulturaustausch erfahren, meinte, daß das eigentlich Japanische doch nie von Amerikanern oder Europäern erfaßt werden, daß der Kulturaustausch höchstens wirtschaftliche Bedeutung haben könne.

Ich war damals sehr idealistisch und wies auf den belebenden Einfluß japanischer Holzschnitte auf den französischen Impressionismus hin, aber mein Gesprächspartner brachte eine solche Fülle von Beispielen mißverstandener Verwendung japanischer Elemente in der europäischen Kunst, daß ich nach meinem stärksten Argument griff. „Warum“, so fragte ich, „ist Kyoto im Krieg nicht zerstört worden?“ Dies in diesem Augenblick zu sagen, war sehr unhöflich von mir, denn auch in Japan (oder gerade dort) darf ein junges Mädchen einen angesehenen Diplomaten nicht in die Enge treiben. Aber ich hatte recht!

Kyoto, die Millionenstadt, tausend Jahre lang Zentrum des japanischen Reiches, angefüllt mit unersetzlichen Kunstschätzen und Gebäuden, Kyoto stand 1944 auf der Liste der Zielorte. Einige Amerikaner jedoch stellten sich der Zerstörungsmaschinerie entgegen und retteten durch ihre Fürsprache Kyoto.