Von Uwe Nettelbeck

In einem kleinen Park irgendwo in London, an einem schönen Sommervormittag, photographiert Thomas heimlich einen Mann und eine Frau, die sich umarmen und küssen. Thomas, ein junger und erfolgreicher Modephotograph, arbeitet an einem Bildband, zu dem ihm noch ein paar leichte Motive fehlen – die harten Sachen hat er schon.

Die Frau entdeckt ihn und verlangt den Film. Aber Thomas rückt ihn nicht heraus. Vielleicht später, sagt er. Die Frau läßt nicht locker. Sie folgt Thomas in sein Atelier und bittet erneut um den Film. Sie ist bereit, dafür mit Thomas zu schlafen. Aber Thomas ist viel zu neugierig, um ihr die Bitte zu erfüllen. Er drückt der Frau einen anderen Film in die Hand, den aus dem Park behält er. Und kaum ist er allein, entwickelt er ihn.

Dann vergrößert er die Photos. Er bläst sie auf. Plötzlich sieht er Details, die ihm im Park entgangen sind: zwischen den Latten eines Zaunes einen Revolver, darüber die Andeutung eines Gesichtes, auf einem anderen Photo unter einem Busch etwas wie einen liegenden Körper. Ist er zum Zeugen eines Mordes geworden? Die Frau auf dem Photo blickt in die Richtung, aus der der Revolver droht. Hatte sie etwas mit einem Mord zu tun? Erregt arbeitet Thomas weiter. Ist der Mann, den er gesehen hat, erschossen worden? Thomas versucht, die Frau aus dem Park zu erreichen.

Aber die Telephonnummer, die sie ihm aufgeschrieben hat, ist falsch. Und die Photos, die er in seinem Atelier nebeneinanderhängt, geben ihr Geheimnis nicht preis – so sehr er sie auch vergrößert. Es bleibt nur ein Verdacht, eine Beunruhigung.

Thomas läßt alles stehen und liegen und geht noch einmal in den Park. Da findet er unter dem Busch die Leiche des Mannes, den er zusammen mit der Frau photographiert hat.

Andere Filme mögen so oder ähnlich beginnen: Jemand wird, ermordet, ein anderer sieht es, eine Frau hat ihre Hand im Spiel, es muß etwas aufgeklärt werden. Michelangelo Antonionis in England gedrehter Film „Blow Up“ endet so: Jemand ist vielleicht ermordet worden, ein anderer glaubt, es gesehen zu haben, eine Frau hatte ihre Hand im Spiel, aber in welchem... es wird nichts aufgeklärt.