Gespräch mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Professor Dr. Ernst Fromm, über den „Nachtnotfalldienst“ in Hamburg:

„Sie haben die Freizeitansprüche der Ärzte mit denen von Bäckern und Schneidern verglichen. Wie stellen Sie sich den Achtstundentag der Ärzte nun vor, Herr Professor?“

„Das hatte ich nicht im Sinne eines Achtstundentages, eines freien Wochenendes oder auch nur einer freien Nacht gemeint; ich wollte damit sagen, daß es in jedem Beruf die Schwierigkeit einer dauernden Anwesenheit in gleicher Stärke gibt, und einige Berufe zu bestimmten Zeiten eben überhaupt nicht mehr arbeiten. Das ist für uns natürlich kein Vorbild.“

„Der Notfalldienst der Ärzte in Hamburg ist Ihrer Meinung nach ausgezeichnet, aber ich wartete neulich fast sechs Stunden auf einen Arzt, es war in der Nacht von einem Sonnabend auf Sonntag.“

„Ich nehme an, daß es sich hier um einen Einzelfall handelt. Diese Zeit ist ungewöhnlich und unverständlich lang. Das ist im System nicht begründet. Der hat geschlafen.“

„In Hamburg gibt es professionelle Nachtnotfallärzte, die in verschiedenen Gebieten tätig sind. Könnten Patienten nicht schneller und sogar besser versorgt werden, wenn ein Arzt nachts stets nur in einem bestimmten oder in seinem Bezirk Dienst macht, da er diesen oder jenen Fall bereits kennt?“

„Das Hauptkontingent wird von niedergelassenen Ärzten gestellt, die in dem Bezirk auch wohnen. Hier und da steht es ihnen frei, mit anderen Ärzten Arrangements zu treffen. Ein Tausch muß jedoch gemeldet werden. Wenn zwar herauskommt, wie in einem Abtreibungsprozeß ermittelt wurde, daß ein persischer Medizinalassistent als Vertreter niedergelassener Ärzte unterwegs war, passiert etwas.“