Von Peter Neuhauser

Der Roman hieß „Die Baumwollpflücker“, spielte in Mexiko und erschien in der sozialdemokratischen Wochenzeitung Vorwärts. Ernst Preczang, Cheflektor der jungen Büchergilde Gutenberg, fand die Geschichte des staatenlosen Tramps Gale, der einen virtuosen Streik gegen seinen Schinder-Chef organisiert, so gut, daß er bei dem unbekannten Autor am 13. Juli 1925 in Tampico anfragte, ob er nicht als Mitarbeiter der Gilde „ein wenig frische Luft und fröhliches Weltgefühl in die deutsche Literatur bringen“ wolle.

Der Autor wollte; und Preczang hatte einen guten Griff getan: Der Dichter im Dschungel wurde schnell berühmt, nachdem 1926 bei der Büchergilde sein Roman „Das Totenschiff“ erschien.

Es war B. Traven, der rätselhafteste Pseudonyme des zwanzigsten Jahrhunderts.

Er schrieb siebzehn Bücher mit einer Gesamtauflage von 25 Millionen Exemplaren. Aber niemand erfuhr, wer er ist und wo er lebt. Auch seine Verleger und Agenten kannten nur die wechselnden Nummern seiner Postschließfächer in Mexiko.

Er schrieb vorwiegend Deutsch, aber auch Englisch und Spanisch und verweigerte der Büchergilde von Anfang an alle Angaben zur Person. Sollte sie gar ein Photo von ihm verlangen, „dann kriege ich es fertig, bei einem Wahrsager, der auf den Straßen liebeshungrige Criadas (Dienstmädchen) das Bild ihres Zukünftigen für zehn Centavos ziehen läßt, mir ein solches Bild zu kaufen und es der Presse als mein Bild zur Vervielfältigung einzureichen“. Und er schrieb: „Ich fühle mich als Arbeiter, namenlos, ruhmlos wie jeder Arbeiter.“

Abenteuerliche Handlungen dienten Traven als Hintergrund für humanitäre Absichten. Ging er im Totenschiff gegen die Internationale der Bürokraten an, so schrieb er in „Die Rebellion der Gehenkten“ gegen die Ausbeutung mexikanischer Holzfäller. Kurt Tucholsky urteilte über den Erzähler: „B. Traven ist ein episches Talent größten Ausmaßes.“