Autodiebstahl – die Tendenz weist wieder nach oben. Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden zählte 1966 eine um knapp 16 Prozent erhöhte Zahl der versuchten beziehungsweise vollendeten Autodiebstähle: 1963 wurden 44 956 Autos gestohlen, 1964 rund 45 600, im nächsten Jahr 53 270 und 1966 knapp 61 700.

Fast 90 Prozent der tatsächlich gestohlenen Wagen tauchen nach kurzer Zeit irgendwo in der Bundesrepublik wieder auf, oft in wenig erfreulichem Zustand. Für die übrigen zehn Prozent der Bestohlenen sind die Aussichten schlecht. Ihre Wagen (häufig wertvolle Modelle) werden entweder ins Ausland verschoben oder aber in ihre Bestandteile zerlegt und in andere Fahrzeuge eingebaut.

Die Motive für den Diebstahl eines Autos sind unterschiedlich. Jedoch zeichnen sich zwei Tätergruppen ab: Zunächst Jugendliche, die ihren Drang zum Autofahren befriedigen wollen. Weit größer ist die Zahl derer, die das Auto stehlen, um damit weitere Straftaten zu begehen.

Von Staatssekretär Gumbel vom Bundesinnenministerium bekanntgegebenen Zahlen (Fragestunde in der 94. Sitzung des Deutschen Bundestags am 16. 2. 1967): 1963 hatten Täter in 30 612, 1966 in 49 770 Fällen ein Kraftfahrzeug benutzt. Auch wenn hieraus nicht hervorgeht, ob es sich um ein gestohlenes oder um ein eigenes Fahrzeug handelte, machen die Zahlen doch die Tendenz deutlich.

Nach den Angaben des Bundeskriminalamtes waren 1965 etwa 51 Prozent der Täter über 21 Jahre. Auch in der Gruppe der Jugendlichen zwischen 18 und 21 Jahren (29,2 Prozent) dürfte eine beträchtliche Anzahl schwerer Jungen stecken, während man bei den jüngeren (19 Prozent) schon eher das Abenteuer als Tatmotiv unterstellen kann.

Viele Autofahrer sind am Diebstahl ihres Wagens nicht unschuldig, weil sie. die Sicherungen (Lenkradsicherung, Verriegelung von Türen und Fenstern) vernachlässigen. Paragraph 38a der Straßenverkehrszulassungsordnung schreibt für alle Kraftfahrzeuge Lenkradschlösser vor, um Diebstähle zu erschweren. Wenn auch seitdem die Diebstahlszahlen gegenüber früher gesunken sind spricht doch manches dafür, daß nicht alle Konstruktionen genügen. Leider nimmt die amtliche Polizeistatistik keine Klassifizierung der Diebstähle nach Autotypen vor. Dennoch lassen sich Anhaltspunkte finden: Staatssekretär Gumbel gab bekannt, daß von 4635 Personenwagen, die Anfang 1967 zur Sachfahndung ausgeschrieben waren, 1650 Fahrzeuge (35 Prozent) von Opel stammten. Mit dieser Zahl liegt die General-Motors-Tochter vor VW (1216) und Ford (550) an erster Stelle. Jedoch das ist eine Stichtagsanalyse.

Eine Auswertung von Suchmeldungen, die die Frankfurter Neue Presse veröffentlichte, ergab: Etwa 75 Prozent der als vermißt gemeldeten Autos waren Modelle von Opel. Diese Zahl muß nicht für das Bundesgebiet repräsentativ sein, aber sie ist dennoch geeignet, das Werk in Rüsselsheim zu alarmieren. Hans-Joachim Grobe