Von Erwin Lausch

Herr Weiß führte keine glückliche Ehe. Eines Tages erfuhr er, daß er ein Magengeschwür hatte, aber er sagte weder seiner Frau noch seinen Freunden etwas davon. Statt sich zu schonen, arbeitete er eifrig weiter, bis er an seinem Arbeitsplatz zusammenbrach. Weiß spielte, so deutet der amerikanische Psychotherapeut Doktor Eric Berne das töricht erscheinende Verhalten des Mannes, ein Spiel namens „Du siehst, ich gebe mir wirklich die größte Mühe“.

Von Frau Weiß nämlich, so erläuterte Berne den verborgenen Sinn des „Spiels“, erwarten Verwandte und Bekannte, daß sie ihren Mann höher schätzt als zuvor und daß sie sich schämt, ihn jemals nicht gut behandelt zu haben. Genau das hatte Herr Weiß bezweckt. Durch das „Spiel“ suchte er die Fürsorge zu erlangen, die ihm seine Frau sonst nicht gewährte.

„Du siehst, ich gebe mir wirklich die größte Mühe“ – das ist eine von zahlreichen problematischen sozialen Beziehungen, die in dem US-Bestseller von

Eric Berne: „Spiele der Erwachsenen – Psychologie der menschlichen Beziehungen“; Rowohlt Verlag, Reinbek; 272 S., 18,50 DM

beschrieben sind. Mehr als eine halbe Million Amerikaner kauften Bernes originelle Betrachtung. Ein Team prominenter Autoren ist an der Arbeit, daraus – schwer vorstellbar – ein Musical zu destillieren. Nun also bietet sich auch deutschen Lesern Gelegenheit zu erfahren, ob sie gern „DUHME“ oder „JEHIDES“, „WEDUNIW“ oder „SISIWUP“ spielen oder eher zu den Spielen „Gerichtssaal“, „Ist es nicht schrecklich?“, „Tumult“ oder „Blöd“ neigen.

Eric Berne, Psychotherapeut in San Francisco, Dozent an der University of California Medical School und Gründer einer „Internationalen Gesellschaft für Transaktions-Analyse“, glaubt erkannt zu haben, daß ein Großteil der menschlichen Sozialaktivität darin besteht, bestimmte Spiele zu spielen.