Das Publikum, das sich zu Beginn dieses Jahres gerade wieder für Aktien zu begeistern begann, ist für Anlageempfehlungen nicht mehr zu haben. Angesichts der meist unerfreulichen Prognosen vieler Vorstände wagen es die Banken kaum noch, ihre Kundschaft zum Aktienerwerb zu animieren. Als Argument bleibt ihnen zwar weiterhin der Optimismus des Bundeswirtschaftsministers und gewisser Konjunkturinstitute, aber es ist schon zu abgegriffen, um das Publikum damit begeistern zu können.

Die Folge der Kundenabstinenz sind langsam fallende Kurse und geringe Umsätze an allen deutschen Börsen. Das wird sich erst wieder ändern, so meinen die Börsenexperten, wenn erst ein paar Unternehmen von sich behaupten, die Konjunkturkrise überwunden zu haben. Die Konjunkturtheoretiker haben offensichtlich ihren Kredit verspielt.

Am Rentenmarkt sieht es noch ganz erträglich aus, obwohl es an Unkenrufen nicht fehlt, der Herbst würde eine Rückkehr zum Siebenprozenter bringen. Es ist zwar unbestreitbar, daß es eine relativ lange Zeit brauchte, bis die jüngste Bundesanleihe als untergebracht gemeldet werden konnte, aber die recht rege Nachfrage nach der am Montag aufgelegten Niedersachsen-Anleihe zeigt, daß der 6 1/2prozentige Typ langsam Vertrauen im Publikum findet. Nicht zu leugnen ist jedoch, daß der Rentenmarkt gegenwärtig bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit belastet wird. Kurssteigerungen sind bei den Renten unter diesen Umständen vorerst nicht mehr zu erwarten. K.W.