Von Hilke Schlaeger

Nein, sagte der Minister, nein, das müsse er noch einmal ausdrücklich betonen – die Gesamtschule gehöre nicht zum Programm seines Ministeriums. Wenn die Freiburger den Mut zu einem solchen Experiment hätten, dann begrüße er das sehr und werde es auch unterstützen. Den Herren aus Weinheim, die ihn in gleicher Sache gerade besucht hätten, habe er auch gesagt: Das Ministerium begrüße solche Experimente, aber zum Programm gehörten sie nicht.

In der Gerstenhalm-Klause in Freiburg-Hasach legte der Kultusminister von Baden-Württemberg, Professor Wilhelm Hahn, großen Wert auf diese Feststellung. Die Versammelten der CDU-Stadtteilgruppe, die Stadt- und Schulräte und der Bürgermeister waren’s zufrieden; der Vorsitzende vertat sich und sprach von der Ehre, die der Herr Bundesminister dem Ortsteil Haslach antue – Bürgersinn vor Fürstenthronen, auch bei föderalistischer Kulturpolitik.

Freiburg scheint ein notorischer Ausgangspunkt für bildungspolitische Neuigkeiten zu sein: In Freiburg wurde die „Aktion 1. Juli“ erfunden, mit der Studenten den Politikern sagten, wie wenig sie mit dem Zustand der deutschen Hochschulen und dem Vorankommen der Reform zufrieden seien; aus Freiburg kam der erste Anstoß zu der folgenreichen Unternehmung „Student aufs Land“, bei der Studenten unter Bauern und, als „Student im Betrieb“, unter Arbeitern für den Besuch weiterführender Schulen warben; aus Freiburg kam allerdings auch sehr konservativer Widerstand gegen die Gemeinschaftsschule – die in Baden-Württemberg inzwischen trotzdem erfolgreich war, auch wenn die Aufregung im Land sich noch keineswegs ganz gelegt hat.

Auch diesmal also hatte man in Freiburg Ideen. Die Freiburger und die Weinheimer scheinen im schulpolitisch so aktiven Baden-Württemberg zu den wenigen zu gehören, denen der Gedanke einleuchtet, da müsse doch mehr geschehen als nur der Bau ausreichender Mengen von Klassenräumen. Und die damit den Vorwurf auf sich nehmen – ein um die Finanzen bangender Stadtrat sagte es ihnen –, buntschillernden Seifenblasen nachzujagen. Das allerdings verwehrte der Minister dem Stadtrat: An der integrierten Gesamtschule sei schon einiges dran, da müsse man auch mal ins Ausland sehen. Und nicht alles, was modern sei, sei deswegen auch kurzlebig.

Das Erstaunliche an der Versammlung im Gasthof in Freiburg war, daß sie in der Tat auf die Initiative von Bürgern zurückgeht und daß solche Initiative vom ersten Überlegen bis zum Gespräch mit dem Minister nur sechs Wochen brauchte. Und vor allem: daß der Minister auch kam.

Der Generalschulplan der Stadt Freiburg, der den Ausbau der Schulen bis 1975/80 regelt, sieht für die westlich der Dreisam gelegenen Stadtteile Haslach, St. Georgen und Stühlinger ein Gymnasium vor – das erste in dieser Gegend –, für das Anfang März ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde.