Walter Hallstein, der eines immer war: kühl und nobel, hat mit sachlicher Ruhe die Konsequenz aus einer Entwicklung gezogen, die die Würde seines Amtes zu bedrohen begann. Feilscherei und Kuhhandel, beides ausgiebig betrieben zwischen Bonn und Paris, das lag diesem Mann nicht. Und zudem lehnte er es – hier darf man wohl sagen: kategorisch – ab, eine Politik zu tolerieren, bei der hohe europäische Ämter nach nationalen Gesichtspunkten verschachert werden.

Hallstein, so hört man heute, trete zwar ab, doch mit Europa gehe es weiter voran. Möge sich das nicht als politischer Kinderglauben erweisen!

Soviel steht immerhin fest: Jene Chance, die prekäre Verschmelzung der drei europäischen Behörden wenigstens durch die Kontinuität an der Spitze zu erleichtern – sie ist vertan. Weiterhin wird jedermann einsehen, daß eine vereinigte Kommission, die neu ist an Haupt und Gliedern, kaum hinreichend gerüstet sein dürfte für die komplizierten Verhandlungen mit England, die im Herbst beginnen.

Wenn Hallstein geht, dann schwindet zugleich etwas vom europäischen Geist. Ein Brüssel, welches zunächst einmal schwächer wird – das ist ganz in de Gaulles Sinn. Auch in unserem?

H. G.