DIE ZEIT

Honoratioren auf Vordermann

Lange Zeit war die Christlich-Demokratische Union nichts anderes als eine lose Wählervereinigung. Sie war stark mit Honoratioren durchsetzt, organisatorisch wenig durchgebildet, doch hatte sie zu Zeiten Konrad Adenauers einen Politiker an der Spitze, der diejenigen Entscheidungen, die er für wichtig und richtig hielt, in der Regel durchzusetzen verstand.

Hallstein

Walter Hallstein, der eines immer war: kühl und nobel, hat mit sachlicher Ruhe die Konsequenz aus einer Entwicklung gezogen, die die Würde seines Amtes zu bedrohen begann.

Soldatenstiefel in Hellas

Will man den Klagen der hellenischen Putsch-Obristen glauben, dann grenzt es schon fast an ein Wunder, daß es Griechenland überhaupt noch gibt.

Perspektive 1980

Wird die Bundesrepublik auch zur Jahrhundertwende noch zu der Spitzengruppe der Industrienationen gehören? Der amerikanische Mathematiker Herman Kahn glaubt nicht daran, nachdem er eine Reihe von Zukunftsmodellen durchgerechnet hat.

Ein schlimmer Strauß

Daß Parteistellen ihre Minister massiv bedrängen, damit sie von Amts wegen – und manchmal amtswidrig – den Wählern ihres Wahlkreises Vergünstigungen gewähren, kommt häufig vor, wird aber selten bekannt.

Der Selbst-K.o. des Cassius Clay

Durch den Ring tänzelte er so leichtfüßig wie kein anderer Schwergewichtsweltmeister vor ihm; doch vor der Musterungskommission blieb sein Fuß wie angenagelt auf dem Boden: Cassius Clay, der seinen bürgerlichen Namen abgelegt hat und sich als Mitglied der Schwarzen Muslims Ali Muhammad nennt, weigert sich, GI zu werden.

Herbert Wehner, die Falken zähmend...

Die schwere Kunst, mit Falken umzugehen, wurde den Hamburgern in der vorigen Woche an zwei Orten demonstriert: Im Stadtpark führten Falkner vom Jagdschloß Kranichstein einer staunenden Menge abgerichtete Greifvögel vor; im Curio-Haus meisterte Herbert Wehner die Attacken einiger besonders angriffslustiger Vertreter der Sozialistischen Jugend, der sogenannten „Falken“.

ZEITSPIEGEL

„Wenn es eine Frage des Alters ist, möchten wir gern Herrn Rusk, der ein mittelmäßiger Funktionär des State Department ist, darauf hinweisen, daß viele von uns hier jünger sind als Herr Dean Rusk selbst.

Soldateninsel vor Maos Küsten

Bis zur nächsten Insel sind es genau 2310 Meter. Durch das Scherenfernrohr ist ein Dorf auszumachen. Üppiges Grün rahmt es ein.

Kontroversen um das Konkordat

Die Beibehaltung und die Neueinrichtung katholischer Bekenntnisschulen bleibt gewährleistet.“ So steht es im Reichskonkordat, das im September 1933 zwischen der Hitlerregierung und dem Vatikan abgeschlossen wurde.

Abschreckung – keine Politik

Seit 1961 wurden 154 Deutsche bei dem Versuch, in die Bundesrepublik zu flüchten, von DDR-Grenzsoldaten erschossen. Im gleichen Zeitraum hat die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter über 7320 Verfahren wegen des Verdachtes von Gewaltanwendung an der DDR-Grenze eingeleitet.

Londons Chancen

Englands Ansuchen um Aufnahme in die EWG werden in Bonn jetzt merklich günstigere Prognosen gestellt als noch vor einigen Wochen.

Keine Munition für de Gaulle

Wie leicht es für de Gaulle sein würde, auch das zweite Entree der Engänder bei der EWG in Brüssel zu verhindern, läßt sich noch nicht sagen.

Nicht einfach „Nein“

Ich sehe die Engländer noch nicht da, wo sie sein sollen“, erklärte de Gaulle auf Wilsons Entschluß zur EWG-Kandidatur Englands.

US-Wahlbombe mit Zeitzünder

„There is a better way than that of LBJ“ – es gibt einen besseren Weg als den Lyndon Johnsons, schmettert der republikanische Präsidentschafts-Aspirant für 1968, Gouverneur George Romney, den in Washington versammelten Partei-Damen wieder und wieder ins Ohr.

Europa braucht England

Europa kann sich zwischen den Giganten USA und Sowjetunion politisch und wirtschaftlich nur behaupten, wenn es einig ist. Deshalb begrüßen wir es außerordentlich, daß England nun dem Gemeinsamen Markt beitreten will – und zwar sowohl Labour-Regierung als auch die konservative und die liberale Opposition.

Auf Umwegen nach Bonn

Das vielgenannte „Eiserne Dreieck“ Warschau –Prag–Ostberlin wird nun, wie Ulbricht beizeiten vorausgesagt hat, eine weitere „Ecke“ erhalten.

Pour le mérite – Volksausgabe

Gewiß, mit den Hals- und Kopfschmerzen um Klara Marie Faßbinders Claudel-Dekoration hat das nichts zu tun, und auch die Weigerung eines norddeutschen Kommunalpolitikers, sich das Verdienstkreuz als „Grabkreuz“ umhängen zu lassen, hat nicht den Anstoß gegeben, und der Gedanke, der oberste Ordensverleiher der Bundesrepublik, der Bundespräsident, hätte durch die Public-Relations-Aktion seine Notierung an der Popularitätsbörse aufbessern wollen, muß angesichts des treuherzigen Mannes, der dieses Amt bekleidet, als zu unsauerländisch raffiniert verworfen werden.

Abzug der Atombomber

Der Abzug von 41 000 amerikanisch-britischen Soldaten aus der Bundesrepublik, obschon beschlossene Sache, wird die westliche Politik noch für viele Monate beschäftigen.

„Roter Notstand“ in Kambodscha

Prinz Norodom Sihanuk, Staatschef von Kambodscha, bildete letzte Woche aus eigener Machtvollkommenheit ein „Notstands-Kabinett“, mit dem er den angeblich kommunistischen Aufständen entgegentreten will, die in einigen Provinzen des Landes aufgeflackert sind.

DDR in Kairo ohne Fortune

Anfang letzter Woche schien die diplomatische Anerkennung der DDR durch Ägypten nur noch eine Frage von Tagen. Jedenfalls hatte Staatspräsident Nasser seine Bereitschaft dafür am Vorabend einer Reise des Ostberliner Außenministers nach Kairo angedeutet.

England auf dem Wege nach Europa

„Die Regierung Ihrer Majestät hat heute beschlossen, sich unter Berufung auf Artikel 237 des Vertrags von Rom um ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und bei Euratom nachzusuchen.

Park macht in Südkorea das Rennen

Die Präsidentschaftswahl in Südkorea hat dem amtierenden Staatspräsidenten, General Park Tschung Hi, am Mittwoch voriger Woche einen klaren Sieg eingetragen.

Tiefer Bruch in der NPD

Der Bruch in der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands ist seit Beginn dieser Woche vollkommen. In Bremen ließ der aus der NPD ausgetretene Bundesvorsitzende Friedrich Thielen eine nationalkonservative Partei in das Vereinsregister eintragen.

Gesinnungsfreunde

Den 20. April, Hitler; Geburtstag, begingen einige Hundert Deutsche in einem Bierkeller des Johannesburger Vororts Hillbrow.

Namen der Woche

Dr. Zahir Husain, 70 Jahre alt, seit 1962 indischer Vizepräsident, wurde als erster Moslem in der Geschichte Indiens mit großer Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt.

Kenia droht mit Krieg

Die Warnung Kenias an seinen nördlichen Nachbarn Somalia, die Guerillatätigkeit im Grenzgebiet könne nicht länger hingenommen werden, hat in dem ostafrikanischen Wetterwinkel vorige Woche das Gespenst eines Krieges an die Wand gemalt.

Mißtrauen zerfrißt Nigeria

Seit voriger Woche droht der volkreichste Staat Afrikas, die einst als Musterland gepriesene Föderation Nigeria, vollends auseinanderzufallen: Während sich die Ostregion bereits Ende März faktisch von der Zentrale in Lagos gelöst hat, zeigt jetzt auch die Westregion zunehmend Eigensinn.

Von ZEIT zu ZEIT

Der britische Premierminister Harold Wilson ersuchte das Unterhaus um rückhaltlose Unterstützung für den Londoner Aufnahmeantrag bei der EWG.

Englands pazifische Kopie

Mehrfach am Tage hatte der neuseeländische Rundfunk darauf hingewiesen: Am Abend wird Premierminister Holyoke eine wichtige politische Erklärung im Fernsehen abgeben.

Fackeln für Europa

Er schien sichtlich gerührt und erfreut. Walter Hallstein, Präsident der EWG-Kommission in Brüssel, stand spät in der Nacht auf einer kleinen Freitreppe des Hamburger Hotels Atlantic und hob die Arme in die Höhe, mit der gleichen Pose, wie es sein großer Widersacher aus Paris zu tun pflegt, wenn er sich dem Volk zeigt.

Unsittliches Kampfmittel?

Sie trafen sich in Frankfurt: Der Arbeitgeberverband der hessischen Metallindustrie und die Wiesbadener Landesregierung. Vor dem Verwaltungsgericht.

Hier irrte Peter Frankenfeld

Was sie so sagen, druckreif oder ganz das Gegenteil, wird beim Zweiten Deutschen Fernsehen in Mainz jetzt zum erstenmal systematisch ausgewertet.

Interview mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer: „Der hat geschlafen“

„Das hatte ich nicht im Sinne eines Achtstundentages, eines freien Wochenendes oder auch nur einer freien Nacht gemeint; ich wollte damit sagen, daß es in jedem Beruf die Schwierigkeit einer dauernden Anwesenheit in gleicher Stärke gibt, und einige Berufe zu bestimmten Zeiten eben überhaupt nicht mehr arbeiten.

NATO-Gewinnler

Seitdem sich in einem Trakt des Rathauses von Lahr der kanadische Wohnungsoffizier etabliert hat, gibt es dort Gedränge. „Manchmal sind die Schlangen dort so lang, daß man meinen könnte, es gebe Arbeitslosenunterstützung“, lästert Philipp Brucker, der Oberbürgermeister des Schwarzwaldstädtchens.

Telephonkrieg

Es war ein glatter Sieg für Wilhelm Hübner, der Vergleich, den er Anfang April vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht mit der Bundespost abgeschlossen hat.

Sturm in den Handballhimmel

Wären die Sporthallen groß genug: der Handball „à septe“ würde dem Eishockey als attraktivster Sportart in Bälde Konkurrenz machen.

Rituale zwischen Angst und Freundschaft

Wieder stehen zwei Ehepaare im Mittelpunkt. Da sind zunächst Agnes und Tobias, die älteren, deren Wohlstand durch keine materiellen Sorgen getrübt werden kann; aber ihr Seelenleben ist bedroht, Agnes verrät bereits in ihrem Einleitungsmonolog, daß sie wahnsinnig werden könnte.

Großstadttheater in Tübingen

Dämmerlicht liegt über der winzigen Bühne; die Hauptperson, der kranke Dichter Mieczyslab Walpurg, ist unter den Kissengebirgen eines Irrenhausbettes verborgen, ein Film projiziert Alpträume an die gekachelte Wand: Jugendstil-Schemen, Henkel und Schöße huschen vorüber.

Lustlos in Tunesien

Der Internationale Literaturpreis wurde zum sechsten Male vergeben – diesmal an Witold Gombrowicz

Gombrowicz in seinem Tagebuch

Laß dich nicht durch Sympathie bestechen! Laß nicht zu, daß fade Sentimentalitäten und süßliches Einvernehmen mit der Masse dich zertauen.

Den Puppen verfallen

Zur Vernissage seiner langerwarteten, überfälligen ersten Retrospektive in Deutschland, in Hannover, bei der Kestner-Gesellschaft, bei Wieland Schmied, hatte Bellmer sich angesagt.

L gleich B plus F

Paris, am 21. Dezember 1734: Der rasende Reporter der Lichtkunst notiert eine Vorführung des „Clavessin Oculaire“ (Augen-Cembalo).

Gesamtschule statt Gymnasium

Nein, sagte der Minister, nein, das müsse er noch einmal ausdrücklich betonen – die Gesamtschule gehöre nicht zum Programm seines Ministeriums.

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