Für gewöhnlich haben sie nichts miteinander zu tun. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, haben längst gelernt, aus dem Reisegepäck zu leben; sie kommen aus Ensembles verschiedener Größe, der eine bläst in einer Bigband, der zweite ist Chef eines eigenen Quintetts, andere wandern zwischen den Formationen, geben Gastrollen selbst bei den Swingle Singers.

Sie trafen sich in Hamburg, sieben berühmte Leute, rund ein dutzendmal bildeten sie hier in der Staatsoper die Combo für Gunther Schullers „The Visitation“. Fast schon ein bißchen spät, ihre Idee jetzt, am gleichen Ort einmal über die zwei- oder dreihundert „Visitation“ Takte eines in das Sinfonieorchester integrierten Zwölfton-Jazz hinaus zu zeigen, warum sie berühmt wurden bei den Freunden der swingenden Muse.

„Jazz at the Opera“ nannten sie ihre Matinee. „At the Philharmonics“, „at Carnegie Hall“, das hatte man schon drüben in den USA, und in der Berliner Philharmonie jazzte man mehrmals für Festivalgäste. Aber „at the Opera“? Hausherr Rolf Liebermann war sich nicht zu schade für die Conference.

Überraschend gleich und doch so naheliegend der Anfang: auf der geschlossenen Bühne intoniert die Combo Schullers Opernklänge, die Eröffnungsmusik zur Show in Pulisis Bums-Bar, Vorhang auf, die Originaldekoration wird hereingedreht, ein paar Solos über den Fox, die Musiker stellen sich vor.

Später dann, der Vorhang ist wieder geschlossen, auf einem Podium voller Mikrophone Ballade und Blues, Arrangements im fast schon altmodischen soft sound mit gestopften Trompeten und Posaunen und hochmoderner free jazz mit Klavier-Clusters und einem Heidenspektakel aus der Klarinette (Rolf Kühn), ein raffinierter, von pianissimo zu fortissimo gesteigerter und wieder reduzierter Monolog auf dem Baß (Peter Trunk) und eine Demonstration der elektroakustischen Supertechnik des Hauses – John C. Eaton improvisiert mit elektronischen Klängen.

Gute Musik, guter Jazz, ein Riesenspaß fürs Publikum. Wenn einige der vorwiegend aus dem Teen- und Twenalter stammenden Besucher tatsächlich im nächsten „Troubadour“ wiederzusehen wären, wie Rolf Liebermann hofft–warum nicht auf diese Weise auf den Geschmack gebracht. Nur: dort wird man ihnen andere Töne anstimmen, ob auch angenehmere, werden die jungen Leute selbst entscheiden. H. J. H.