Jetzt wird es ernst. NSU und Citroën, die deutsche und die französische Autofabrik, haben einander endgültig das Jawort gegeben und werden ein gemeinsames Produkt in die Welt setzen: einen Kraftwagen mit Wankel-Motor. Zu diesem Unternehmen tragen beide Werke zu gleichen Teilen bei. Das erste deutsch-französische Auto kündigt sich an.

Es war ein Flirt vorausgegangen. Treffpunkt: Genf. Dort hatten NSU-Wankel und Citroën die Gesellschaft „Comobil“ gegründet und die Abmachung getroffen, der deutsche Partner solle seinen Motor weiter entwickeln, der französische aber studieren, welche Art von Fahrwerk und Karosse dem gemeinsamen Projekt am besten dienen könne. Und jetzt, da die Vorstudien offensichtlich abgeschlossen sind, wird der gemeinsame Geldtopf in Luxemburg aufgestellt, dem Sitz der neu gegründeten Sozietät „Comotor“. Es scheint, daß die französischen Ingenieure nun auch ihren deutschen Kollegen in die Konstruktionspläne gucken dürfen und umgekehrt Wenn die letzten Zollbarrieren zwischen Deutschland und Frankreich fallen, im Sommer 1968, sollen die Möglichkeiten geschaffen sein, eine Jahresproduktion von hunderttausend Wagen dieses neuen Typs zu erreichen.

„Das Neue und das Wichtigste dieser Gründung geht aus ihrem europäischen Charakter hervor“, so sagt die Direktion des Citroën-Werkes, die von der „Compagnie Comotor“ als der ersten Verwirklichung einer engen deutsch-französschen Produktion auf industriellem Gebiet spricht. Offenbar soll alles, was unter dem Titel „Comotor“ firmiert, gemeinsam angepackt und betrieben werden: Werkhallen und Büros, Produktion, Ersatzteillieferung, Werbung und was nun einmal noch zum Betrieb einer Autofabrik gehört.

Daß der Wankel-Motor eine Erfindung von großer Bedeutung ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Auch nicht, daß es den Citroen-Werken gelang, Autos zu bauen, die eine Menge technischer Neuerungen enthalten. Es ist wahrscheinlich, daß sich hier die Richtigen gefunden haben: beide befähigt, Arm in Arm in ein Neuland der Technik vorzudringen und die Unkosten aus gemeinsamer Brieftasche zu zahlen, in die sie dann gemeinsam auch die Gewinne stecken.

Fehlt nur noch, daß die euroäpischen Politiker, sich an den Technikern ein Beispiel nehmen: