Die Warnung Kenias an seinen nördlichen Nachbarn Somalia, die Guerillatätigkeit im Grenzgebiet könne nicht länger hingenommen werden, hat in dem ostafrikanischen Wetterwinkel vorige Woche das Gespenst eines Krieges an die Wand gemalt.

In einer Erklärung Nairobis, die allen Mitgliedern der UN und der „Organisation für afrikanische Einheit“ (OAU) zuging, heißt es: „Es kommt die Zeit,... da der Terrorismus nicht mehr mit politischen Mitteln eingedämmt werden kann.“

Diese Krieg-in-Sicht-Erklärung wirft ein alarmierendes Licht auf einen Kleinkrieg, den somalische Nationalisten in der nördlichen Grenzregion Kenias seit fast vier Jahren führen und in dem es um nahezu ein Drittel des kenianischen Staatsgebietes geht. Die somalische Regierung will alle Somalistämme, zumeist Nomaden, die auf dem Territorium des Nachbarstaates leben, mit ihrer Heimat vereinen – ein Anspruch, der auch die äthiopische Ostprovinz Ogaden und Französisch-Somaliland bedroht.

Hier halbherzig versuchte die OAU verschiedentlich, Frieden zwischen den streitenden Nachbarn zu stiften. Hinter den Erklärungen der OAU-Konferenzen zu Daressalam, Addis Abeba, Aruscha und Rom steht die Sorge, die Erfüllung der somalischen Forderungen könnte Präzedenzfälle für andere afrikanische Länder schaffen.

Offensichtlich verfolgt der ägyptische Staatspräsident Nasser auch am Horn von Afrika eigene Aspirationen: An Kenias Nordgrenze fand man jüngst ägyptische Landminen. Und Nairobi empfing feindselige Radiosendungen aus Kairo.