Erich Maschke und K. W. Böhme (Herausgeber). Die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien. Verlag Ernst und Walter Gieseking, Bielefeld; 450 Seiten, 2Bde., je 24,80 DM

Der Band ist schon vor einigen Jahren erschienen, bisher aber nicht genügend beachtet worden, so daß ein Hinweis auch jetzt noch angebracht erscheint, zumal da es sich um ein vorbildliches Werk handelt. Es ist methodisch ausgezeichnet gearbeitet, gründlich und genau; es ist getragen vom Streben nach vollkommener Objektivität, es gibt auch wertvolle Aufschlüsse über weithin unbekannte Vorgänge. Ein einleitender Aufsatz legt dar, wie es zu der besonders grausamen Art der Kriegführung in Jugoslawien kam. Hier hatten die balkanischen Traditionen des Partisanenkrieges eine besondere Bedeutung. Die starke Stellung des Sippenoberhauptes und die Überlieferung der Blutrache waren für die jugoslawischen Freischärler starke Antriebe.

Die Kriegsgefangenen hatten zumeist ein schweres Schicksal, Verpflegung und ärztliche Betreuung waren unzureichend. Entgegen den Bestimmungen der Genfer Konvention wurden die unterernährten Gefangenen noch zu schwerer Arbeit gezwungen. Die Verfasser oder Berichterstatter erkennen aber an, daß auch das jugoslawische Volk lange Zeit nicht ausreichend ernährt war und daß bei dem auf beiden Seiten mit großer Härte geführten, von Weltanschauungsideen geleiteten und mißleiteten Krieg die Genfer Konvention mit einer Art von Naturgewalt zerfetzt wurde. In anderen Bereichen bemühten sich die Jugoslawen um die Innehaltung der Genfer Konvention, so im Postverkehr, aber die Verhältnisse waren stärker. G. G.