Privater Kunstbesitz sei heutzutage selten geworden, meint der Verleger von „Große Familiensammlungen“ (herausgegeben von Douglas Cooper, aus dem Englischen übertragen von Lilly von Sauter; Verlag Droemer Knaur, München; 304 S. mit 361 Abb., 65,– DM) werbend, empfehlend, entschuldigend – wie auch immer es gemeint sein mag, so stimmt es nicht.

Wahr ist vielmehr, daß jene Gesellschaftsschicht, jene Fürsten, Herzöge und Grafen, deren Kunstschätze in diesem Band präsentiert werden, im zwanzigsten Jahrhundert als Sammler und Mäzene weitgehend abgelöst wurden. Die großen Sammler unserer Tage produzieren im Hauptberuf Kekse oder Autos, sie heißen Thyssen, Sprengel oder Ford, man kann nur hoffen, daß ihre Schätze eines nicht zu fernen Tages einem Publikum, das von privatem Kunstbesitz heute so ausgeschlossen ist wie damals, in Abbild und Buch ähnlich zugänglich gemacht werden, wie es im vorliegenden Falle mit den Sammlungen der Fürsten Colonna (Rom), Doria Pamphili (Rom), Pallavicini (Rom), Fürstenberg (Donaueschingen), Beauvau-Craon (Haroue), der Grafen Wrangel und Brahe (Skokloster), Harrach (Wien), Spencer (Althorp), Cholmondeley (Houghton), der Herzöge von Devonshire (Chatsworth), Conde und d’Aumale (Chantilly) und Alba (Madrid) geschehen ist.

Kunst in allen ihren Arten und Abarten wird hier präsentiert, aus Leidenschaft, einer Laune oder Geschäftsgeist erworben, von Nachfahren gehütet, lustlos verwaltet oder geschickt gemehrt, durch Krieg, Heiraten, Erbschaften ergaunert, verloren, gewonnen – es ist der Reiz dieses Bandes, daß hier die Kunst, entfremdet den höheren Absichten der Ästheten und Interpreten, eingespannt zwischen Handel, Politik und Menschlich-Allzumenschlichem gesehen wird. Wer läse nicht mit Vergnügen vom geschäftsbewußten Modemaler Anton Raphael Mengs (1728–1779), der selbst einen Grafen Harrach mit seinen Preisen verschreckte: hundert Zechinen für eine Hauptfigur in Lebensgröße, hundert Zechinen für zwei oder drei weitere Nebenfiguren zusammen. Endlich einmal handfeste Kategorien für einen so windigen Geschäftsbereich. „L’amour de la peinture va fort mal avec l’economie“ sprach Mengs, der seine Herrschaften zu nehmen wußte, und bedauerte, nicht entgegenkommen zu können.

Petra Kipphoff