Von Jim Hazelwood

Es bewegt sich nach unten“, sagt der Mann, der mit verbundenen Augen und entblößtem Oberkörper in einem alten Zahnarztstuhl sitzt, „wieder nach unten, jetzt nach oben, runter, rauf, rauf...“ Währenddessen bewegt ein Techniker ein hölzernes Lineal vor einer Fernsehkamera auf und ab. „Das genügt“, ruft Dr. Collins nach einer Weile, „nicht ein einziger Fehler, ein hundertprozentiges Ergebnis.“

Diese Szene trug sich vor einigen Tagen in einem kleinen, mit allerlei Gerät verstellten und mit Kabeln und Drähten durchzogenen Raum des Presbyterian Medical Center, einer Klinik in San Franzisko, zu. Dr. Carter Collins war höchst befriedigt über das Resultat dieses Versuchs. Es berechtigt ihn und seine Mitarbeiter zu der Hoffnung, aus der seltsamen Apparatur, die an der Rückenlehne des Stuhls befestigt ist, ein Gerät entwickeln zu können, das es Blinden ermöglicht, mit ihrer Haut zu „sehen“.

„Selbstverständlich ist es kein Sehen, wie wir es kennen“, erklärt Dr. Paul I. Bach-y-Rita, der zusammen mit Collins an diesem Projekt arbeitet, „es ist nur ein Ersatz dafür, aber ein solcher, der wahrscheinlich allen Orientierungshilfen, die es bis jetzt für Blinde gibt, weit überlegen sein wird.“

So soll das Gerät, das hier entwickelt wird, funktionieren: Eine Miniatur-Fernsehkamera, die der Blinde auf dem Kopf trägt, tastet Punkt für Punkt das sich ihr darbietende Bild ab und verwandelt diese Bildpunkte je nach ihrer Helligkeit in mehr oder weniger starke elektrische Impulse. Sie werden – von einem elektronischen Spezialgerät noch einmal umgewandelt und verstärkt – an eine Matrix geleitet, ein auf dem Rücken des Blinden montiertes quadratisch angeordnetes Arrangement aus kleinen Metallstiften (mit Plastikkopf, damit sie nicht stechen), die gegen die Haut trommeln. So entsteht auf dem Rücken das von der Kamera aufgenommene Bild als ein Muster aus Berührungsreizen verschiedener, den Helligkeitswerten entsprechender Intensität.

Bewegen sich die von der Kamera erfaßten Objekte oder bewegt der Träger des Gerätes seinen Kopf, dann ändert sich in analoger Weise auch das Reizmuster auf der Rückenhaut. So kann der Blinde mit dem Tastgefühl Formen und Bewegungen von Gegenständen erkennen, vielleicht sogar gedruckte Buchstaben, wenn sie groß genug sind.

Die Doktoren Bach-y-Rita und Collins waren unabhängig voneinander auf diese Idee gekommen. Lange schon hatte jeder für sich mit dem Gedanken gespielt, die Methode zu erproben, als die beiden Forscher vor drei Jahren am Presbyterian Medical Center zusammenkamen und beschlossen, in gemeinsamer Arbeit eine solche Prothese für Blinde zu schaffen.