E. W., Paris, im Mai

Ich sehe die Engländer noch nicht da, wo sie sein sollen“, erklärte de Gaulle auf Wilsons Entschluß zur EWG-Kandidatur Englands. Im Ministerrat ließ er jeden Minister seine Ansicht vortragen – was er nur bei außergewöhnlichen Anlässen tut. Dann sprach er über die „große Bedeutung“ dieses Entschlusses und über den „langen Atem“, den man dabei haben müsse.

Sicher ist: Er sagt nicht einfach nein. Die Lage ist auch zu verschieden von der im Januar 1963. Immerhin hat de Gaulle Wilsons Argumente zugunsten einer selbständigeren Rolle Europas gegenüber den Vereinigten Staaten mit Genugtuung angehört – auch wenn er ihnen noch nicht ganz traut.

Frankreichs Taktik ist klar: Zeit gewinnen. Warum soll man klar zu einer Unterhausrede Stellung nehmen, in der die entscheidenden Fragen bewußt unklar formuliert waren, weil der englische Premierminister einen Zwei-Fronten-Krieg führt: nach innen und außen. Vielleicht weiß man präziser, welche Vorverhandlungen er mit dem Gemeinsamen Markt wünscht, sobald die englische Kandidatur dem Brüsseler Ministerrat notifiziert worden ist. Diese langen Vorverhandlungen scheinen nun unvermeidlich – und sie passen ins französische Konzept.

„Erst muß man genauer wissen, was Wilson will, dann müssen sich die Sechs auf das einigen, was sie wollen“, das ist die französische Marschroute. Sie bedeutet, daß die EWG-Partner Gewissenserforschung betreiben und sich über die Ziele klarwerden sollen, die sie noch mit dem Gemeinsamen Markt verbinden: die politischen Ziele vor allem.