Die Präsidentschaftswahl in Südkorea hat dem amtierenden Staatspräsidenten, General Park Tschung Hi, am Mittwoch voriger Woche einen klaren Sieg eingetragen. Anders als 1963, als Paris seinen Hauptrivalen, Dr. Yun Po-sun, nur mit einer hauchdünnen Mehrheit von 156000 Stimmen niederringen konnte, geht der Staatspräsident diesmal mit einer eindrucksvollen Mehrheit von 1 162 125 Stimmen in eine weitere vierjährige Amtsperiode.

Dieser Wahlsieg verschaffte Park eine späte Rechtfertigung für jenen Putsch, der ihn 1961 als starken Mann des „Obersten Rates für die Nationale Revolution“ in Südkorea an die Macht brachte. Damals etablierte er ein autoritäres antikommunistisches Militärregime, das erst 1963 einer Zivilregierung Platz machte.

Gewahrt blieb freilich die starke Exekutivgewalt des Generals-Präsidenten Park, der zugleich Chef der „Demokratisch-Republikanischen Partei“ (DRP) ist, die in der Nationalversammlung Südkoreas eine klare Mehrheit hält. Parks jetziger Wahlerfolg favorisiert daher auch seine Partei gegenüber der „Neuen Demokratischen Partei“ (NDP) seines Gegenspielers Dr. Yun bei den Parlamentswahlen im nächsten Monat.

Beobachter führen Parks jüngsten Sieg auf den Erfolg seines Wirtschaftsprogramms zurück, dessen zweiter Fünfjahresplan Südkorea schon vor 1971 von fremder Hilfe weitgehend unabhängig machen soll. Heute überschattet Südkoreas Exportzuwachs mit 44 Prozent pro Jahr bereits den der Japaner. Der Aufbau von Schlüsselindustrien und eine verbesserte Infrastruktur sollen das Land auf seinem Sprung nach vorn befördern.

Im Präsidentschaftswahlkampf spielte neben wirtschaftlichen Fragen auch Seouls Beitrag zum Vietnam-Krieg eine Rolle.

Park betrachtet Vietnam als „zweite Front“, an der die koreanischen Verbände auch das eigene Land verteidigen. Gleichzeitig glaubt er, die 50 000 amerikanischen Soldaten nur dann an der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea halten zu können, wenn er sich in Südvietnam entsprechend engagiert.