Gewiß, mit den Hals- und Kopfschmerzen um Klara Marie Faßbinders Claudel-Dekoration hat das nichts zu tun, und auch die Weigerung eines norddeutschen Kommunalpolitikers, sich das Verdienstkreuz als „Grabkreuz“ umhängen zu lassen, hat nicht den Anstoß gegeben, und der Gedanke, der oberste Ordensverleiher der Bundesrepublik, der Bundespräsident, hätte durch die Public-Relations-Aktion seine Notierung an der Popularitätsbörse aufbessern wollen, muß angesichts des treuherzigen Mannes, der dieses Amt bekleidet, als zu unsauerländisch raffiniert verworfen werden.

Nein, solche Überlegungen sind nicht die Motive, denen es zu verdanken ist, daß gerade jetzt das Bundespräsidialamt neue Regeln für den Umgang mit Orden kodifiziert hat. Albert Einsiedler, Ministerialdirektor und zweiter Mann im Hause des Staatsoberhaupts, vermag mit der Kompetenz des Fachmannes und dem Charme des Schwaben davon zu überzeugen, daß die jüngste Publizität nur die Endphase einer jahrelangen Aktivität ist.

„Aber offenbar war etwas nicht in Ordnung mit unseren Orden?“

Der „Ordensmann“ bestreitet das nicht. Er erinnert daran, daß schon die Stiftung unseres Verdienstordens unter einem Unstern stand. Er zitiert den ersten Bundespräsidenten, dessen Herz gewiß nicht am Orden hing. In einem Brief an einen Ordensgegner brachte Theodor Heuss mit schwäbischer List zwei Argumente vor: Das Porzellan-Service, mit dem die Republik von Weimar verdiente Männer zu belehnen pflegte, käme viel zu teuer, und die staatsintegrierende Funktion eines Ordens sei nicht zu unterschätzen.

Daß es ein Kreuz ist mit den Orden, hat man im Bundespräsidialamt von der ersten Minute an gespürt. Vor ein paar Jahren erteilte Heinrich Lübke die Weisung, ernst zu machen mit einer Ordensreform. Albert Einsiedler verfaßte eine Denkschrift, die die Vorlage bildete für die „Ausführungsbestimmungen zum Statut des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, die am Montag in Kraft treten. Dieses Reformwerk ist mit allen Partnern, die in unserer pluralistischen Gesellschaft dazu gehört werden müssen, diskutiert worden, vom Bundeskanzler bis zum Gewerkschaftschef, von den Landesfürsten bis zu Parteienvertretern. Unabhängig von der Qualität dieses nach allen Seiten abgesicherten Leitfadens, besitzt er eine gewisse Originalität, auf die Albert Einsiedler mit Stolz verweist:

„Zum ersten Male werden diese Richtlinien, die bisher nur vertraulich und intern den damit befaßten Stellen bekannt waren, zu jedermanns Einsicht veröffentlicht. Jeder Bürger kann nachlesen, wem unser Verdienstorden unter welchen Bedingungen verliehen werden kann – und verweigert werden muß.“

„Wie verhält sich überhaupt der Bürger der Bundesrepublik zur Verleihung oder zur Verweigerung eines Ordens?“