Michael Mansfeld: Reichstagsbrandprozeß. Nach dem Originalprotokoll der Hauptverhandlung. Wolter Editionen, Frankfurt; 200 Seiten und ein Bogen Bilder; 14,80 DM

Das Buch wählt einige Szenen aus der Verhandlung vor dem Reichsgericht aus. Naturgemäß kann den Leser von heute nicht mehr ganz die Erregung erfassen, die damals der Staatsbürger verspürte, wenn er seine Blicke nach Leipzig richtete. Die ausführliche, genaue, mutige Berichterstattung der „Frankfurter Zeitung“ gehört zu den Ruhmesblättern dieses Blattes und war damals Gegenstand zahlreicher Gespräche besorgter Patrioten. Die gleiche Spannung kann heute nicht mehr erzielt werden, da auch dieser Prozeß schon Geschichte geworden ist.

Doch bleibt in dieser geschickten Auswahl immer noch genug des Charakteristischen und Wichtigen. Die Nachgeborenen könnten daraus erfahren, wie damals der Staat begann, ins Unrecht hinabzugleiten, und wie die Anhänger des Rechtsstaates versuchten, dem Bösen zu wehren. Können junge Menschen ganz das Verhalten des Vorsitzenden, des Senatspräsidenten Bünger, würdigen? Viele seiner Ausführungen erscheinen in ein Zwielicht getaucht; auch er machte dem neuen Staat seine Zugeständnisse; aber dann steht da doch das Urteil: Der Kommunist Torgler freigesprochen; Dimitroff, auch die übrigen bulgarischen Kommunisten freigesprochen. Im Entscheidenden hat Bünger sich nicht gebeugt; und nicht umsonst tobte Hitler.

Klaus Kreimeier hat dem Buch eine Einleitung vorausgeschickt, die eine schätzenswerte Übersicht über die Vorgeschichte des Prozesses gibt, in der man aber einige Stellen mit hochgezogenen Brauen liest. Kreimeier spricht von dem „Braunbuch“ des Kommunisten Willi Münzenberg und räumt bereitwillig ein – was wirklich nicht zu leugnen ist –, daß dieses Braunbuch viele Fälschungen enthält. Aber rechtfertigend fügt er hinzu, Münzenbergs Arbeit sei als erfolgreiche Aktion des Widerstandes zu werten. Sieht Kreimeier nicht, daß er sich mit solcher Logik hart in die Nähe nationalsozialistischer Logik begibt? Fälschungen erlaubt um eines höheren Zieles willen? Das kann er doch unmöglich meinen. Aber er öffnet solchem Mißverständnis alle Tore. K. K.