Prinz Norodom Sihanuk, Staatschef von Kambodscha, bildete letzte Woche aus eigener Machtvollkommenheit ein „Notstands-Kabinett“, mit dem er den angeblich kommunistischen Aufständen entgegentreten will, die in einigen Provinzen des Landes aufgeflackert sind.

Das Abweichen des Prinzen von der Linie konstitutioneller Normalität zeigt, wie ernst Sihanuk die Umsturzgefahr jetzt nimmt. Anfang April hatte er in einer „Botschaft an die Nation“ erstmals von einer bewaffneten Rebellion der „Roten Khmers“ (Kambodschaner) in der nordwestlichen Provinz Battambang gesprochen. Doch blieb die Gegenwehr zunächst der Regierung unter Ministerpräsident Lon Nol überlassen, die erst im Oktober 1966 von beiden Häusern des kambodschanischen Parlaments und vom Thronrat gewählt worden war.

Schon damals freilich mißfiel dem kambodschanischen Prinzen, daß General Lon Nol Wahl und parlamentarischen Rückhalt vor allem Rechtskreisen verdankte. Sihanuk bildete daher ein Schattenkabinett der Linken, das gegen die offizielle Regierung opponierte, bis es wegen der Rücktrittsdrohungen Lon Nols wieder aufgelöst wurde.

Unterdessen konnte General Lon Nol im Kampf gegen die Aufstände Erfolge vorweisen: Nach Gefechten zwischen Regierungstruppen und Guerillas wurden Anfang April 48 Rebellen als gefangengenommen, Mitte April 90 Aufständische als getötet gemeldet.

Nur wenige Tage später aber gab Prinz Sihanuk über Rundfunk bekannt, er habe unter den Mitgliedern des ehemaligen Schattenkabinetts ein kommunistisches Komplott aufgedeckt, in das fünf hohe Funktionäre und einige Abgeordnete verwickelt seien. Damit war das Land in den Augen Sihanuks reif für den Notstand, zumal die Unruhen auch auf die südlichen Provinzen Kompong-Cham und Kompong-Speu übergegriffen hatten, die an Südvietnam grenzen. Das Kabinett Lon Nol wurde suspendiert.

Der Prinz beschuldigte die Rebellen, aus Kambodscha ein zweites Vietnam machen zu wollen. In der Tat: Der Krieg im benachbarten Südvietnam drohte in den letzten Jahren mehrfach das hinterindische Königreich in Mitleidenschaft zu ziehen. Amerikaner und Südvietnamesen beschossen Stellungen der Vietcongs auf kambodschanischem Gebiet. Ein Teil des Ho-Tschi-Minh-Pfades soll durch Kambodscha verlaufen. Prirz Sihanuk wiederum verdächtigte Südvietnam, es wolle sich Teile seines Reiches aneignen.

Angesichts des linkslastigen Neutralismus, den Sihanuk etwa seit zwei Jahren praktiziert, klingt der kommunistische Vorwurf paradox, der Prinz wolle sein Land an die amerikanischen Imperialisten verkaufen. Sihanuk selber erklärte noch jüngst: „Es ist bekannt, daß die Amerikaner und ich nicht dazu geschaffen sind, einander zu verstehen.“

Tatsächlich hatte der Prinz 1965 die diplomatischen Beziehungen zu Washington abgebrochen, worauf die Amerikaner ihre Wirtschafts- und Militärhilfe einstellten. Seither steuerte Kambodscha außenpolitisch einen chinafreundlichen Kurs.