expo 67 (I)

Von Rudolf W. Leonhardt

Das erste, was der deutsche Weltausstellungs-Reisende von Kanada zu sehen bekommt, ist die unendlich scheinende Schnee- und Eisöde von Labrador. Wenn unter dem Druck der trotz Pillen ständig steigenden Weltbevölkerung (es kommen in jedem Jahr mehr Menschen dazu, als ganz Kanada Einwohner hat) einmal auch dieser Norden des Landes bewohnbar gemacht worden ist, könnte Kanada nicht nur (wie bisher) der zweitgrößte Staat, sondern auch eine führende Großmacht der Welt geworden sein: Gesetzt, es gelingt, die einander widerstrebenden Kräfte, die die noch recht labile Nation zerreißen wollen, zusammenzubringen; und gesetzt, es gelingt, Städte zu bauen, in denen unter brutalen klimatischen Bedingungen nicht nur Polarforscher, Pelzjäger und Eskimos, sondern auch ganz gewöhnliche Zivilisten leben können.

Vielleicht wird man später einmal sagen: Seit expo 67 war vorauszusehen, daß es gelingen würde.

Von solchen Ahnungen wird der Fluggast noch kaum berührt, der, immer dem St.-Lorenz-Strom folgend, eine Stunde später statt des ewigen Eises Montreal unter sich sieht, die Metropole in statu nascendi; und deutlich erkennbar auf der Landzunge und den beiden Inseln: ein Super-Tivoli, einen Riesenrummelplatz.

So erscheint expo 67 auf den ersten Blick. Auch der zweite Blick verspricht noch nicht viel mehr.

Zwischen beiden Blicken liegt ein mühseliger Weg. Die großzügigste Verkehrsplanung kann – darauf müssen wir Besucher schonend vorbereiten – nichts daran ändern, daß keiner ganz frisch auf den Ausstellungs-Inseln ankommt.