Vater (Josef) und Sohn (Peter) Neckermann lassen sich von der gegenwärtigen Konjunkturflaute nicht beirren. Beide Geschäftsinhaber der Neckermann Versand KG a. A, Frankfurt, erklärten dazu: „Der auf Expansion gerichtete Kurs geht planmäßig weiter.“ Der Außenstehende weiß nicht recht, ob er dieser Geschäftspolitik Beifall zollen oder vor einem Übermaß an dynamischer Entwicklung warnen soll.

Zwar ist im Geschäftsjahr 1966 eine Kapitalverzinsung von wieder 14 Prozent verdient worden; aber der Gewinn hat sich, gemessen an den ertragsabhängigen Steuern, um etwa 20 Prozent, das reine Betriebsergebnis noch stärker rückläufig entwickelt. So entschlossen sich Aufsichtsrat und Geschäftsinhaber nach längerem Für und Wider zu einer Kürzung der Rücklagendotierung von 7,1 auf 4,5 Millionen Mark. Das heißt: Auf Kosten der Eigenfinanzierungsquote hat die Verwaltung – auch mit Rücksicht auf außerbetriebliche Erträge, die um 4,8 Millionen Mark über dem Vorjahr liegen – der Optik einer kontinuierlichen Ausschüttung genüge getan. Dabei hat auch die optimistische Einschätzung der zukünftigen konjunkturellen Entwicklung eine Rolle gespielt.

Zweifellos will die Verwaltung aber auch die Neckermann-Aktie attraktiv halten. Das um so mehr, als die Hauptversammlung am 28. Juni über ein genehmigtes Kapital von 25 Millionen Mark beschließen soll. Bei einem Anteil der Eigenmittel von 25 Prozent an der Bilanzsumme ist die Zuführung neuen Kapitals unerläßlich, nachdem im Berichtsjahr die Investitionen von 30 Millionen Mark in der gesamten Gruppe fremdfinanziert werden mußten. Eine weitere Verschuldung würde bei 17 Millionen Mark Investitionen, die für 1967 vorgesehen sind, zu einer schwerlich vertretbaren Anspannung der Firmenfinanzen führen. Nachdem 1966 ein Umsatzplus von 17,3 Prozent erreicht worden ist, will sich Neckermann mit einer Prognose für das laufende Jahr nicht festlegen, zumal man nicht übersehen könne, wie sich die Mehrwertsteuer auswirken werde. pgk