Muß die deutsche Luftfahrtindustrie nicht verzweifeln bei solch einem Auftraggeber wie dem Verteidigungsministerium?

Da schließen die deutsche und die französische Regierung 1964 – nach einer Übereinkunft aus dem Jahre 1958 – einen Vertrag über die Entwicklung und den Bau eines militärischen Transportflugzeugs, der „Transall“, 50 Flugzeuge für Paris und 110 für Bonn; da ist die Entwicklung abgeschlossen; drei Prototypen sind gebaut; sechs Maschinen der Vorserie sind fertig; die Hauptserie ist angelaufen.

Doch nun, nach drei Jahren, fällt der deutschen Luftwaffenführung plötzlich ein, daß sie eigentlich nur 60 Transportflugzeuge brauche. Flugs werden die Haushaltsschwierigkeiten vorgeschoben, um eine Vertragsänderung zu erreichen.

Die Franzosen werden verärgert, die Industrie vor den Kopf gestoßen – und gespart wird bei der Beschaffung kaum etwas; denn das einzelne Flugzeug wird natürlich teurer.

Pacta sunt servanda – Verträge müssen erfüllt werden. Wie sollen die Bemühungen um eine internationale Zusammenarbeit, auf die die Luftfahrtindustrie angewiesen ist, Erfolg haben, wenn die Regierung nicht zu ihrem Wort steht?

Daß man es anders machen könnte, scheint keinem Bonner Ministerialbeamten einzufallen, daß man etwa die ganze Serie bauen und sich bemühen sollte, die nicht benötigten Maschinen abzusetzen. Auf solche Gedanken kommt offenbar nur das Pentagon. hm