Zwei wegen ihrer geringen Giftigkeit sehr beliebte Pflanzenschutzmittel, die in der Landwirtschaft und bei Gartenpflanzen zur Vorbeugung gegen Pilzbefall verwendet werden, verursachen, wie Laboratoriumsversuche gezeigt haben, genetische Schäden und Mißbildungen. Aus diesen an Zellkulturen und Hühnerembryos ermittelten Befunden darf man freilich noch nicht den Schluß ziehen, daß die beiden Chemikalien auch für den Menschen gefährlich sind, jedoch ist diese Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen.

Zwei Wissenschaftler der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA), Dr. Marvin Legator und Dr. M. Jacqueline Verret berichteten in der vorigen Woche bei einer Konferenz der New Yorker Academy of Sciences über ihre Experimente mit den Fungiziden Captan und Folpet. Die chemische Struktur dieser Substanzen ist der des Thalidomids (Contergan) ähnlich, weshalb, wie Dr. Verret erklärte, es naheliegend war zu prüfen, ob die Stoffe eine teratogene (Mißbildungen an Neugeborenen verursachende) Wirkung haben.

In Kulturen aus tierischen und menschlichen Zellen verursachten Captan, Folpet und verwandte Chemikalien Brüche an den Chromosomen. Die Synthese des genetischen Materials wurde zum Teil gehemmt, zum Teil verändert.

Die Forscher injizierten die Substanzen in befruchtete Hühnereier, aus denen sich daraufhin Küken mit verschiedenen, zum Teil erheblichen Mißbildungen entwickelten.

Ob genetische Defekte oder Mißbildungen auch bei Menschen eintreten können, die mit jenen Pflanzenschutzmitteln in Berührung kommen, ist noch nicht geklärt. Immerhin sei diese Gefahr keineswegs auszuschließen, betonten die beiden Wissenschaftler, und Dr. Verret fügte hinzu, sie jedenfalls würde, wenn sie schwanger wäre, die beiden Mittel nicht im Garten versprühen. T. R.