Von Alex Natan

Bei der Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Teheran wurde vor kurzem eine dreiköpfige Kommission gebildet, die aus zwei Afrikanern und dem IOC-Generalsekretär Johann Westerhoff besteht. Sie wird im August nach Südafrika reisen, um dort die sportlichen und rassenpolitischen Verhältnisse zu studieren. Ihr Bericht wird mit entscheidend sein, ob Südafrika zur Olympiade im nächsten Jahr in Mexico City wieder zugelassen wird.

Als der südafrikanische Ministerpräsident Vorster, der als symbolische Verkörperung der Rassenpolitik und Chef der Rassenpolizei seines Landes anzusehen ist, vor einigen Wochen ein paar Konzessionen zur Auslegung zukünftiger sportlicher Richtlinien machte, wurde diese Ankündigung im Ausland sympathisch begrüßt. Optimisten glaubten sogar, in diesen Konzessionen den ersten Bruch mit der Apartheid-Politik sehen zu wollen. Davon kann natürlich nicht im geringsten die Rede sein, denn 90 Prozent aller weißen Südafrikaner sehen in der rigorosen Rassentrennung den einzigen Schutzmechanismus, der ihnen ein uneingeschränktes Supremat garantiert. Mr. Vorster hat dann auch sofort gewarnt, seine Rede nicht sorgfältig zu studieren und nichts hineinzulesen, was nicht enthalten ist.

Bekanntlich ist Südafrika von der Teilnahme an den Olympischen Spielen ausgeschlossen und hat zu befürchten, daß die beliebten traditionellen Kricket- und Rugby-Begegnungen mit England beziehungsweise Neuseeland auch ihr Ende finden werden, da diese Vertretungen nur dann Einreiseerlaubnis nach Südafrika erhalten, wenn sie ausschließlich aus weißen Sportsleuten bestehen. Diese wachsende Isolierung innerhalb der internationalen Sportwelt wird in einem so sportfreudigen Staat wie Südafrika als eine schwere Belastung empfunden. Mr. Vorster plant nun mit einem zaghaften Versuch, dieser sportlichen Blockade ein Ende zu machen.

Vor ein paar Tagen trat in Teheran das Internationale Olympische Komitee zusammen, um sich mit einem südafrikanischen Antrag auf Wiederzulassung zu befassen. Um dort die Fassade zu wahren, hatte Mr. Vorster ein paar Konzessionen gemacht. Im Prinzip bleibt es natürlich bei der strikten Rassentrennung im Sport. Dagegen ist Südafrika in Zukunft bereit, gemischte Mannschaften zu Länderkämpfen zu entsenden, sportliche Vertretungen aus nicht-weißen Ländern in Südafrika zu empfangen und solchen Ländern die Zulassung von farbigen Teilnehmern zu gestatten, mit denen Südafrika traditionelle Länderkämpfe austrägt.

Diese Konzessionen, mit denen sich Mr. Vorster die Zulassung an den Olympischen Spielen erkaufen möchte, zeigen recht deutlich, daß das Apartheid-Regime nicht so völlig gleichgültig und feindlich internationaler Meinung gegenübersteht. Die Konzessionen sind indessen in keiner Hinsicht eine echte und ehrliche Kontribution an die klaren Wünsche der internationalen Sportbehörden. Schließlich beruht der Grundstein des ganzen olympischen Ethos auf der uneingeschränkten Durchführung völliger Gleichberechtigung im Sport, soweit Rasse, Glaube und Politik in Frage gestellt sind. Mr. Vorster scheint wirklich zu glauben, den erfolgreichen Boykott des sportlichen Apartheids durch seine Konzessionen überwinden zu können, ohne dabei jedoch wirkliche Gelegenheit für die südafrikanischen Farbigen zu schaffen, sich mit voller Gleichberechtigung sportlich zu betätigen. Mr. Vorster hat sich sogar geweigert, farbige Zuschauer bei etwaigen olympischen Ausscheidungskämpfen zuzulassen.

Es ist überhaupt unklar, wie er sich diese vorstellt, falls das IOK seinem Antrag nachgeben würde, was nach Lage der Dinge höchst zweifelhaft erscheinen muß. Will Mr. Vorster etwa die olympische Mittelstreckenvertretung durch getrennte Ausscheidungskämpfe von Weißen und Farbigen ermitteln? Wie will er den Farbigen garantieren, gleiche Trainingsmöglichkeiten vorzufinden wie sie die Weißen haben? Um Sprinter auszuwählen, müssen einfach Weiße gegen farbige antreten dürfen, da dieser so sensible Sporttyp weitgehend von der Beschaffenheit der Aschenbahn und vom Wetter abhängig ist. Wer aber wird als Funktionär wirken und welche gestoppten Zeiten sollen gelten?