Die Möglichkeiten für deutsche Banken, zinsgünstig Geld auf dem Eurodollar-Markt anzulegen, sind gering geworden. Unter diesen Umständen konnte die Bundesbank den Diskont senken, ohne befürchten zu müssen, daß sich dadurch der Geldexport verstärken würde. Die flüssigen Mittel der Kreditinstitute drängen jetzt in die festverzinslichen Wertpapiere. Kein unproblematischer Weg, denn schließlich wird dadurch eine Kapitalbildung vorgetäuscht, die in Wirklichkeit keine ist. Denn was geschieht, wenn die Banken ihre festverzinslichen Papiere wieder zu Geld machen müssen, um eine wachsende Kreditnachfrage zu befriedigen? Das wird genau zum gleichen Zeitpunkt geschehen, wenn auch die Industrie Investitionskapital vom Rentenmarkt zu erhalten hofft. Dann wird sich zeigen, ob die forcierte Zinssenkungspolitik eine vernünftige Maßnahme war.

Mit der Diskontsenkung hat der Aktienmarkt zwar seine Widerstandskraft gestärkt, aber von der großen Wende ist immer noch nichts zu spüren. Das Publikum läßt sich von so drastischen Dividendensenkungen wie bei Mannesmann (von 10 auf 7 Prozent) mehr beeindrucken als von der zuversichtlichen Prognose der BASF, im Jahre 1967 die Gewinne weiter steigern zu können. Größere Anleger haben indessen ihre Käufe wieder aufgenommen. Sie kaufen renditestarke Aktien, bei denen sicher ist, daß sie auch für 1967 wieder mit den bisherigen Dividenden bedient werden. Dazu zählen neben den Elektroversorgungspapieren auch die Werte der deutschen Großchemie. K. W.