Rund tausend homöopathische Ärzte gibt es in der Bundesrepublik. Mehrere Tausend deutscher Mediziner verordnen von Fall zu Fall homöopathische Heilmittel, ohne speziell darauf eingeschworen zu sein. An den Universitäten indes ist die Homöopathie nicht vertreten. Bei Hochschulmedizinern stößt sie auf eisige Ablehnung. Die Homöopathie, betonen Professoren immer wieder, entbehre jeglicher Wissenschaftlicher Grundlage.

Über eineinhalb Jahrhunderte währt nun schon der Streit zwischen den Vertretern der Medizin, wie sie an den Hochschulen gelehrt wird, und den Homöopathen. Zweifellos haben die Hochschulmediziner recht, wenn sie ihre homöopathischen Kollegen der Unwissenschaftlichkeit zeihen. Dem Renommee, das Homöopathen im Volk genießen, hat dieser Vorwurf jedoch keinen Abbruch getan.

Was macht die Homöopathie für weite Kreise einer Bevölkerung, die doch sonst ehrfürchtig auf die Professoren hört, so anziehend? Weshalb „desertieren“ relativ viele Mediziner zur Homöopathie, nachdem sie die Universitäten verlassen haben?

Gelegenheit, solchen Fragen nachzugehen, bot die 119. Jahrestagung, die der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte Anfang des Monats in Schwäbisch Hall abhielt. Thema der Tagung: „Beiträge der Homöopathie zur modernen Medizin“.

„Wir wollen die Tagung in Schwäbisch Hall zu einem Brückenschlag zwischen moderner Medizin und Homöopathie ausbauen“, hieß es in den Einladungsschreiben. Und: „Wie Sie alle wissen, sind in der modernen Medizin gewisse problematische Fragen grundsätzlicher Natur aufgebrochen, zum Beispiel die Entfremdung zwischen praktischer und wissenschaftlicher Medizin. Wir sind der Auffassung, daß in dem Traditionsgut der schon über 150 Jahre bestehenden Homöopathie Gedanken vorliegen, die wertvolle Diskussionsbeiträge zu gewissen Gegenwartsfragen in der Medizin darstellen.“

Pharmakologen und Internisten an den süddeutschen Hochschulen waren ebenso eingeladen worden wie Nicht-Homöopathen unter den praktischen Ärzten. Der angestrebte Brückenschlag fand indes nicht statt. Außer Professor Wolfgang Kretschmer von der Universitätsnervenklinik Tübingen, der einen Vortrag über ein nicht-homöopathisches Thema hielt, ließen sich keine Vertreter der Hochschulmedizin blicken.

Haben sie neue Erkenntnisse versäumt? Sicherlich nicht. Was die Redner vortrugen, schien kaum geeignet, den Gegensatz zwischen Homöopathen einerseits und nach naturwissenschaftlichen Kriterien arbeitenden Medizinern andererseits zu überbrücken.