Im Sternenhimmel erkennen zur Nachtzeit nach fernen Ländern ziehende Vögel einen Wegweiser, der sie zum Ziel führt. Das wissen wir seit zehn Jahren durch die aufsehenerregenden Bremer Planetariumsexperimente von Dr. Franz Sauer und seiner Frau. Ein Rätsel blieb bislang jedoch, welcher Stern oder welches „Sternbild“ der eigentliche Wegweiser ist. Professor Stephen 7. Emlen hat ihn jetzt gefunden, wenigstens für den Papstfinken, einen 13 Zentimeter großen Singvogel, der vom Süden der USA alljährlich 3000 Kilometer weit ins südamerikanische Winterquartier fliegt.

Im Planetarium der Unversität Michigan beobachtete der amerikanische Forscher das Verhalten der Papstfinken, nachdem er einzelne Sternbilder, wie den Großen Bären oder Kassiopeia, die Milchstraße oder den Polarstern am künstlichen Himmel abschaltete. Die Tiere ließen sich hiervon nicht beirren und flogen weiterhin in die Richtung, die nach dem Stand der übrigen Sterne nach Süden hätte weisen müssen. Erst als Emlen alle Sterne verlöschen ließ, die innerhalb von 35 Grad den Polarstern umgeben, zeigten sich die Vögel desorientiert und hörten auf zu schwirren. Daher glaubt Professor Emlen, in der Gesamtheit aller Sterne, die zum Kleinen und Großen Wagen, zur Kassiopeia und zum Drachen gehören, den Wegweiser gefunden zu haben. Verschiedene Vögel richten sich allerdings individuell nach etwas unterschiedlichen Sternmustern. Bei dem einen darf dieser oder jener Randstern fehlen. Dafür müssen Sterne hinzutreten, die für andere Artgenossen bedeutungslos sind. V. D.