Von Kurt Wendt

Der Abzug der beiden noch in Hamburg domizilierenden Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank, Dr. Karl Klasen und Dr. Wilhelm Vallenthin, und die damit verbundene Auflösung der "Zentrale" Hamburg, deren Aufgaben künftig von Frankfurt wahrgenommen werden sollen, hat der Deutschen Bank an der Elbe etliche Proteste eingetragen. Zwei Argumente wurden gegen diese organisatorische Veränderung geltend gemacht: Die Kunden der Bank fürchten künftig wegen der Ortsferne der obersten Bankleitung schlechter, behandelt zu werden, die Politiker sehen darin eine gewisse "Mißachtung" der größten Stadt der Bundesrepublik, die ohnehin schon wegen ihrer geographischen Randlage in der EWG hart kämpfen muß, "um im Rennen zu bleiben", wie Springers "Hamburger Abendblatt" seine Leser fast täglich mahnt und damit die im Gange befindliche Strukturveränderung auch für die Nichthamburger besonders deutlich macht.

Für ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist Prestige eine Sache des Geschäfts. Das gilt auch für die größte deutsche Bank. Sie hat nicht bemerkt, daß die Abwesenheit ihrer Vorstandsmitglieder beispielsweise in so bedeutenden Städten wie München, Stuttgart oder Hannover das Wachstum des Instituts irgendwie gehemmt hat. Häufig ist es sogar gut – so meint man –, am Sitz der Landesregierungen nicht vertreten zu sein. Hier kann Prestige Geld kosten.

Schwerer als der Prestige-Einwand wiegt die Kundenferne. Das gilt besonders in einer Stadt wie Hamburg, wo nahezu täglich über Millionen-Importkredite entschieden werden muß, und das innerhalb kürzester Frist. Die Deutsche Bank meint, daß im Zeitalter des Telefons und Fernschreibers die Verständigung über solche Kredite nicht durch die Abwesenheit von Vorstandsmitgliedern erschwert wird. Das ist ein Organisationsproblem; man wird abwarten müssen, wie die Deutsche Bank damit fertig werden wird. Ihren norddeutschen Kunden versüßt sie den "Abschiedsschmerz" dadurch, daß Dr. Karl Klasen zum Sprecher der Bank am Frankfurter Platz wird und von ihm zu erwarten ist, daß er über die neuen Aufgaben seine alten Arbeitsgebiete Schiffahrt und Werften nicht vernachlässigen wird, dies um so weniger, als er seinen Wohnsitz in Hamburg nicht aufzugeben bereit ist.

Im Grunde sind das aber alles nur Übergangsprobleme. Die Würfel sind gefallen: Die Führungsspitze der Deutschen Bank wird in Frankfurt konzentriert. Auch die Zentrale Düsseldorf (Sprecher Franz Heinrich Ulrich), wird eines Tages aufgelöst. Im Augenblick sprechen noch personelle und wirtschaftliche Gründe dagegen. In der heutigen Zeit aus dem Ruhrgebiet zu weichen, sähe fast wie Fahnenflucht aus.

Die Deutsche Bank macht Schluß mit dem Föderalismus, den die Besatzungsmächte nach Kriegsende mit dem Ziel; der Zerschlagung leistungsfähiger Kreditinstitute im deutschen Bankwesen eingeführt hatten. Bei der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Commerzbank wurden nach Kriegsende die Filialen in den einzelnen Bundesländern zu selbständigen Instituten gemacht; sie erhielten neue Firmenbezeichnungen, die untereinander verschieden sein mußten und keinesfalls an die alten Namen erinnern durften.

Erst im Herbst 1951 ließen sich die Besatzungsmächte zu einem Kompromiß in der Bankenfrage herbei, dem sogenannten Großbankengesetz, in dem den Instituten die Gründung von jeweils 3 Nachfolgebanken erlaubt wurde. Die Deutsche und die Dresdner Bank schlossen sich endlich 1957 zu einheitlichen Instituten zusammen, ließen aber in Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg drei gleichberechtigte "Zentralen" nebeneinander arbeiten. Bei der Commerzbank erfolgte der Wiederzusammenschluß wegen harter innerer Kämpfe erst ein Jahr später.