Béla Bartók: „Klavierkonzert Nr. 1 und 3“; Peter Serkin, Chicagoer Symphonie-Orchester, Leitung: Seiji Ozawa; RCA LSC 2929, 25,– DM

Zwei junge Interpreten – der Amerikaner Peter Serkin wird im Juli zwanzig, der Japaner Seiji Ozawa im September zweiunddreißig. Beide machten außergewöhnlich schnell Karriere, ihre Platte sollte vielversprechend sein. Sie enttäuscht.

Man muß die Aufnahme schon messen an dem, was bereits existiert: Geza Anda (mit Ferenc Fricsay) sowohl wie der Bartók-Freund György Sándor haben da einen Maßstab gesetzt. Weder erreicht Serkin, was Anda und Sándor vorlegten, noch kann Ozawa Ferenc Fricsay das Wasser reichen.

Auffällig ist die Monotonie in Serkins Interpretation.

1927, beim Weltmusikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik in Frankfurt, verschaffte sich Bartók mit der Uraufführung des ersten Konzertes Respekt durch die scharfe Sprache des Werkes, durch die hämmernd akzentuierende Akkordik, durch die Tonballungen („Clusters“) – das Klavier war eine Art Schlagzeug geworden. Serkin scheint lieber sein Instrument schonen zu wollen.

Im dritten Konzert dagegen, dem letzten Werk Bartóks (siebzehn Schlußakte wurden von seinem Schüler nach Anweisungen vollendet), das seinen Charakter nicht zuletzt der Tatsache verdankt, daß es ein Vermächtnis Bartóks an seine sehr junge Frau war, überspielt Serkin viele der Artikulations-Nuancen. Die Feinheiten von grazioso oder scherzando wollen in das landläufige Bild von der Maschinenmusik Bartóks nicht passen, und Serkin tut wenig, das schiefe Bild gerade zu rücken.

Zudem: der Aufnahmeleiter hat nicht nur Makelloses akzeptiert. Falsche Töne ließ er ebenso durchgehen wie rhythmische Diskrepanzen, im Orchester wie im Zusammenspiel von Orchester und Solist.