Der Sowjetunion ist es gelungen, den Fuß in eine Tür zu stellen, die bisher streng verschlossen war: Der Iran erklärte sich bereit, russischen Bohrtrupps die Ölsuche im Lande zu gestatten. Das ist die erste Konzession, die Moskau außerhalb seines Machtbereichs erhält. Bisher lag die Ölförderung im Nahen und Mittleren Osten ausschließlich in den Händen westlicher Ölkonzerne.

Die Russen werden ihrGlück zunächst in zwei Konzessionsgebieten am Persischen Golf versuchen, die kürzlich vom Iran-Konsortium, dem Zusammenschluß 16 europäischer und amerikanischer Mineralölunternehmen, an den persischen Staat zurückgegeben wurden. Als besonders aussichtsreich gelten diese Regionen bei westlichen Experten nicht.

In Moskau ist man trotzdem zufrieden. Die neue Vereinbarung ist nach dem Stahlwerk bei Isfahan der zweite große Erfolg der Sowjets bei ihrem Versuch, im Iran Fuß zu fassen. Ursprünglich sollte das Stahlprojekt von deutschen Firmen verwirklicht werden. Das scheiterte, weil die notwendigen Kredite ausblieben.

Jetzt kann der Iran das russische Stahlwerk mit Erdgaslieferungen bezahlen – mit Gas, das bis heute noch in großen Mengen auf den Ölfeldern verbrannt wird. Im Land kann es nicht genutzt werden und der Transport nach Europa oder den USA ist unwirtschaftlich. Außerdem will Moskau jährlich für 50 Millionen Dollar Konsumgüter liefern, ebenfalls gegen Gas,

Zur Zeit verhandelt die UdSSR mit dem italienischen Staatskonzern ENI über die Lieferung großer Mengen russischen Erdgases nach Westeuropa. Die notwendige Pipeline wird vom Westen gebaut und innerhalb von sieben. Jahren mit Gaslieferungen bezahlt. Danach wird bar abgerechnet.

So erhält jeder, was er braucht: Persien ein Stahlwerk und Konsumgüter gegen (für den Iran wertloses) Gas; die Russen verkaufen dort Güter, für die sie in der EWG oder den USA keine Abnehmer finden. Devisen verdienen sie trotzdem und die Rohrleitungen baut in beiden Fällen der Westen. mj.