Kranksein ist heute teuer – und wird vermutlich von Jahr zu Jahr teurer werden. Damit werden wir uns abfinden und unsere finanziellen Dispositionen darauf einstellen müssen. Wer der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht unterliegt, braucht sich seinen Kopf nicht zu zerbrechen. Für ihn denken andere.

Ich kenne Leute, meine verehrten Leser, die es ablehnen, sich gegen Krankheiten zu versichern und eigene Rücklagen bilden. Sie sparen damit die Verwaltungskosten, ohne die ja keine Krankenversicherung arbeiten kann, laufen dafür aber ein erhöhtes, beträchtliches Risiko. Beim Abwägen von Für und Wider dürfen die steuerlichen Vergünstigungen (Geltendmachung von Sonderausgaben) der Prämienzahlung nicht außer acht gelassen werden.

Die private deutsche Krankenversicherung bietet eine Vielzahl von Versicherungsmöglichkeiten (Tarifen) an. Für den Versicherten oder Interessenten ist diese Vielfalt deshalb verwirrend, weil in der Praxis die Tarife untereinander wegen ihrer unterschiedlichen Leistungsverpflichtungen kaum vergleichbar sind. Grundsätzlich ist zu empfehlen, bei Abschluß einer Krankenversicherung sich Angebote von mehreren Unternehmen kommen zu lassen.

Nun haben auch die privaten Krankenversicherungen nichts zu verschenken. Sie sind Geschäftsunternehmen wie andere auch und wollen verdienen. In welchem Maße das gelingt, hängt nicht zuletzt von der Zusammensetzung des Versicherungsbestandes ab. Je umfangreicher er ist, desto breiter sind die Risiken verteilt, und je größer heute ein Unternehmen ist, desto kostensparender kann es (das Vorhandensein entsprechender bürotechnischen Einrichtungen vorausgesetzt) arbeiten.

Die Prämien sind grundsätzlich so gestaffelt, daß ein Beitritt zur Versicherung im frühen Lebensalter durch niedrige Sätze belohnt wird. Sie gelten dann während der gesamten Versicherungsdauer. Wer also im Alter an Prämien sparen will, muß sehr früh mit einer privaten Krankenversicherung abschließen. Erfahrungsgemäß sollte man beim Ersteintritt in die private Krankenversicherung in der Wahl der Tarife nicht knauserig sein. Besonders dann nicht, wenn die Versicherung nur die Originalbeiträge (mit denen sie Werbung treibt) verlangt. Und hier kommen wir zu einem Punkt, meine verehrten Leser, an dem alle vorher sorgfältig aufgemachten Rechnungen scheitern können.

Wenn Sie nämlich einen Krankenversicherungsvertrag abschließen wollen, müssen Sie bei der Versicherung Ihrer Wahl einen „Antrag“ stellen. Dann müssen Sie einen gesundheitlichen Offenbarungseid leisten. Die Versicherung will alles über bisherige Krankheiten wissen, auch wenn sie ausgeheilt sind. Schon bei der Unterschrift unter dem Antrag verzichtet man gegenüber der Versicherung auf die Innehaltung der viel umkämpften ärztlichen Schweigepflicht. Und das für frühere, bestehende und bis zum Ende des Versicherungsvertrages eintretende Krankheiten, Unfallfolgen und Gebrechen. Der Grund für den tiefen Einbruch in die Intimsphäre liegt auf der Hand: Die Versicherung traut den Antragstellern nicht und möchte die Möglichkeit haben, ihre Angaben kontrollieren zu können.

Nun fragt man sich wohl nicht zu Unrecht: Warum auch der Verzicht auf das Ärztegeheimnis bei kommenden Krankheiten? Wer die Versicherungsbedingungen genau studiert, wird in der Regel finden, daß sich die Krankenversicherungen bei sogenannten Pflegefällen nicht mehr zuständig fühlen. Der Begriff Pflegefall ist nicht eindeutig definierbar. Die Versicherung sieht ihn bei längerem Krankenhausaufenthalt meist als gegeben an. In solchen Fällen sollte man nicht versäumen, Widerspruch einzulegen. Dann wird ein Gutachterverfahren in Gang gesetzt, das nicht selten zugunsten der Versicherten entschieden wird.