DIE ZEIT

Absender Ostberlin

Kaum war der Brief aus Ostberlin, vier Seiten Maschinenschrift auf Büttenpapier, in die Hände des Bundeskanzlers gelangt, da meldeten sie sich wieder, die politischen Veteranen aus den Zeiten des Kalten Grabenkrieges: Ein solches Schriftstück voller aggressiver Formulierungen und unverschämter Forderungen biete keinerlei Ausgangspunkte zu einem auch nur zentimeterweisen Fortschritt in der deutschen Frage.

Eskalation aus Verlegenheit

Der Vietnamkrieg wird gefährlicher. Die Amerikaner haben sich in den letzten Wochen immer dichter an die Stadtzentren von Hanoi und Haiphong herangebombt.

Europa siegte in Genf

Was John Fitzgerald Kennedy sich erträumt hatte, ist nicht, Wirklichkeit geworden. Gerade der erfolgreiche Abschluß der Zollverhandlungen in Genf macht deutlich, wie groß der Abstand zwischen der Vision von 1962 und der Realität von 1967 ist.

De Gaulle: „Nein, aber“

Auch vor vier Jahren hat es kein formelles Veto gegeben. Und wenn man die jetzige Stellungnahme mit der vom Januar 1963 vergleicht, so mag man sich sogar fragen, ob die Gründe, die de Gaulle aufzählte, um die EWG vor der Aufnahme Englands zu warnen, diesmal nicht härter formuliert waren als damals.

Hinter römischen Kulissen

Die Worte „Staatsstreich“ und „Militärputsch“ haben in Europa seit den jüngsten griechischen Ereignissen wieder einen härteren, weniger romanhaften Klang erhalten.

ZEITSPIEGEL

„West-Berlin – ein Wasserkopf ohne Körper, der ihn ernähren kann – lebt seit 20 Jahren im wesentlichen von den Hilfsgeldern der Bundesrepublik, die ihm Milliarden geben.

Der rätselhafte Herr in Nummer 10

Als Harold Wilson am 22. April 1951 im Londoner St. Mary’s Hospital den kranken Premierminister Attlee besuchte und ihm seinen Rücktritt an der Seite Bevans ankündigte, schien die Karriere des Oxforder „Wunderknaben“ beendet zu sein.

Rechts, wo die Pechvögel sitzen

In dem Flur, links an der Wand, hängt noch immer das metergroße rote Plakat mit dem weißen Mond in der Mitte. „Jetzt auch hier – NPD“ steht auf dem bunten Papier.

Nürnberger Rechtsbruch

Die NPD hatte am 5. Mai mit der Messehallen-GmbH in Nürnberg, an der die Stadt die Kapitalmehrheit besitzt, einen Mietvertrag zur Abhaltung ihres Parteitages am 10.

Fernsehen:: Ruhe und Ordnung

Der Frühschoppen dauert dreiviertel Stunde; die Kombattanten sprechen in toto pro Kopf nicht mehr als ein paar hundert Sekunden; der Mann, den ich meine, faßte sich eher noch kürzer, aber die sechs Minuten, es mögen auch sieben oder fünf gewesen sein, während derer der Betrachter ihm zuschauen konnte, einem älteren Herrn mit breitem Bürgergesicht, flinken Augen und wackerer Schwerzüngigkeit – diese Minuten waren gespenstisch.

Dialog am Potomac

Eine Gruppe führender deutscher Politiker vermochte sich in der letzten Woche in Washington davon zu überzeugen, daß trotz unübersehbarer Meinungsverschiedenheiten und vieler nicht mehr parallel verlaufender politischer Strömungen kein Anlaß besteht, den deutsch-amerikanischen Beziehungen einen besonders dramatischen Akzent zu verleihen.

Ein Moslem als Präsident

Mit all dem Pomp, zu dem Indien fähig ist, wurde am Pfingstsamstag der neue Präsident in sein Amt eingeführt. Noch vor 14 Tagen galt es keinesfalls als selbstverständlich, daß dem greisen Religionsphilosophen Dr.

Wie soll gewählt werden?

Bundesinnenminister Lücke setzt sich mit seinem ganzen politischen Prestige für eine Reform des Wahlrechts ein. Die Einführung eines neuen Wahlrechts gilt in seinem Hause als eine der vordringlichen Aufgaben, die von der Großen Koalition gelöst werden müssen.

Der Patronage-Minister

Bruno Heck soll CDU-Generalsekretär werden, aber Bundesfamilienminister bleiben. Nun dürfen nach dem Grundgesetz-Artikel 66 der Bundeskanzler und die Bundesminister kein anderes besoldetes Amt oder Gewerbe ausüben.

„Gefährte Glück“ auf seiten der CDU?

Mit diesem Lehrsatz reagiert Josef Hermann Dufhues auf die Feststellung, er sei auf dem Podium des Düsseldorfer Landtages ein seltener Gast, und mit dieser Anmerkung analysiert der mächtige, aber unauffällig wirkende Mann zugleich den Stil seiner Arbeit so zutreffend, daß selbst seine Kritiker dem nicht widersprechen können.

Rumänien auf Titos Spuren

Rumänien, das seit Jahren seinen eigenen außenpolitischen Kurs steuert, wird künftig auch innenpolitisch den Spuren Titos folgen.

Ist Opponieren unanständig?

In einer Replik auf Fragen der Freien Demokraten zur Deutschlandpolitik benützte CSU-Abgeordneter Schulze-Vorberg die Redewendung, man solle keine Wunden aufreißen; dies diene nicht dem politischen Frieden, nicht der Einheit.

Kohls Radikalkur

Helmut Kohl, der CDU-Vorsitzende von Rheinland-Pfalz, macht seinem Ruf als dynamischer Politiker und eifriger Reformer alle Ehre – zum Mißvergnügen seiner eigenen Parteifreunde.

„Wind der Veränderung“ in Aden?

An Stelle Sir Richard Turnbulls wird Sir Humphrey Trevelyan den Posten des britischen Hochkommissars in Aden einnehmen. Das Foreign Office beeilte sich freilich zu erklären, der Austausch der Personen bedeute keine materielle Änderung der britischen Aden-Politik, sondern lediglich einen Stilwandel.

Blutiger Mai

Die Kämpfe in Südvietnam waren in diesem Monat heftiger und blutiger denn je. Allein in der ersten Mai-Woche wurden über 2000 amerikanische und über 500 alliierte Soldaten getötet oder verwundet, noch höher sollen die Verluste der Vietcong gewesen sein.

Von ZEIT zu ZEIT

In seiner ersten Pressekonferenz des Jahres 1967 äußerte sich der französische Staatspräsident de Gaulle bedingt zustimmend zum britischenEWG-Beitrittsgesuch.

Namen der Woche

Ernst Wollweber, als Staatssicherheitsminister der DDR einst Nachfolger des wegen „Defätismus“ abgesetzten Wilhelm Zaisser, starb im 69.

Unruhen in Hongkong

Die britische Kronkolonie erlebte einen Anflug von Revolutionsfieber im Stil der „Roten Garden“. Die Krawalle hatten in einer Fabrik für Plastik-Blumen begonnen, aus der streikende Arbeiter ausgeschlossen worden waren.

Politische Post aus Ostberlin

Das Schreiben des DDR-Ministerpräsidenten Stoph enthält das bekannte Maximalprogramm der SED: Anerkennung der DDR, gegenseitiger Gewaltverzicht, Anerkennung der Grenzen in Europa, „insbesondere der Grenze zwischen beiden deutschen Staaten“, Herabsetzung der Rüstungsausgaben, Verzicht auf Atomwaffen.

Wie die Bundesrepublik kommunistisch werden soll (Schluß): Ulbrichts langer Marsch

In ihrer Analyse der Bundesrepublik, "Imperialismus heute", haben die führenden jüngeren Gesellschaftswissenschaftler der SED mit einiger marxistischer Redlichkeit um die Synthese von leninistischen Dogmen und westdeutscher Wirklichkeit gerungen, Sie haben eine Entwicklung in der hochindustrialisierten kapitalistischen Gesellschaft zur Planwirtschaft erkannt – die materielle Vorbereitung des Sozialismus unter kapitalistischem Dach.

Seinen Frack hat er verkauft

Um 4 Uhr 45 ist die Nacht zu Ende für den Besitzer der Siedlerstelle Rethfeldsfleeth 9 in Bremen-Borgfeld. Der Bauer beginnt seinen Tag wie seine bäuerlichen Nachbarn im Stall.

Handel mit gebrauchten Grabsteinen

Paul Nogai, der vor dem Krieg bei Breslau mit allem gehandelt hatte, außer mit Lebensmitteln, und zu dessen Verkaufsschlagern die Restauration abgenutzter Chaiselongues gehört hatte, betätigte die Bremse und begab sich in die Tiefen der Schuttabladegrube.

Das Märchen von den Kommunisten

Ein Diplom-Psychologe und eine Schauspielerin, ein Public-Relations-Mann, ein Drucker und eine Postbeamtin fanden sich in Hamburg zusammen und probten Bürgerinitiative: „Wir wollten einmal zeigen“, erklären sie heute, „daß auch der einzelne etwas tun kann, wenn staatliche Lethargie offizielle Bemühungen nicht zuläßt.

Noch attraktiv?

Der Bevölkerungsrückgang im Ruhrgebiet brachte 1966 seinen bisherigen Höhepunkt: 60 000 Menschen kehrten dem Revier den Rücken.

Ritterschlag für 2000 Mark

Selbstverständlich war für ihn ein Tisch reserviert. Konsul a. D. Hans-Hermann Weyer, von Damen „der schöne Konsul“ genannt, mit braungebranntem Gesicht und blauen, sanften Augen wurde im Münchner „St.

Der Sternkompaß der Papstfinken

Im Sternenhimmel erkennen zur Nachtzeit nach fernen Ländern ziehende Vögel einen Wegweiser, der sie zum Ziel führt. Das wissen wir seit zehn Jahren durch die aufsehenerregenden Bremer Planetariumsexperimente von Dr.

Ein neues Herz wachsen lassen?

Seit sechzig Jahren können wir Kulturen von Körperzellen außerhalb des Körpers im Laboratorium züchten. Und im letzten Jahrzehnt haben wir gelernt, wie man diese für die experimentelle Biologie überaus wichtige Technik nicht nur für die theoretische Forschung, sondern auch praktisch nutzen kann.

Beatniks in Cut und Schleier

Eine Uraufführung von Peter Ustinov in Berlin, inszeniert von Boleslaw Barlog – diese Attraktion setzte einen Abend lang sogar das gleichzeitig stattfindende „Berliner Theatertreffen 1967“, den Festwochenvorgriff, außer Kurs.

Theater:: Kipphardts Durchfall

Calderóns Leben, das ein Traum ist, wird bei Kipphardt zum Spießerleben, das sich in Alpträumen erfüllt: „Die Nacht, in der der Chef geschlachtet wurde“, Kipphardts neue Komödie, die in Stuttgart uraufgeführt wurde, zeigt, daß wir zwar nicht aus jenem Stoff gemacht, aus dem die Träume sind, aber im Traum, den Freud den „Hüter des Schlafs“ genannt hat, unsere Weltentwürfe gar schrecklich austoben, ausleben.

Intendantenwechsel in Hamburg

Intendanten gehören in einer abgesicherten und verwalteten Gesellschaft zu den letzten, die die Macht der persönlichen Entscheidung, aber auch das Risiko der Freiheit sichtbar tragen.

Kunstkalender

"Josef Scharl" (Berlin, Galerie Nierendorf): Mit dieser Gedächtnisausstellung zu Josef Scharls 70. Geburtstag unternimmt die Galerie Nierendorf den zweiten und hoffentlich erfolgreichen Versuch, den hervorragenden Maler, der 1938 nach Amerika emigrierte, in Deutschland und der deutschen Kunstgeschichte wieder einzubürgern.

ZEITMOSAIK

Einen „Garten des Malers“ hat Horst Antes für die Bundesgartenschau in Karlsruhe geschaffen, sieben Metallplastiken in leuchtenden Farben, sieben „Monumente der Lüste“, darunter „Der Wolkenfänger oder die Lust, für sich allein zu sein“: eine Hand wächst aus der Erde und greift nach der rosa Wolke, die sich über ihr im Gitterkäfig bewegt.

Robert Neumann: Siebzig Jahre leichtes Leben

Ich habe zu viel Trauriges geschrieben in meinem Leben. Ich sehne mich sehr nach der Heiterkeit. Wann immer ich etwas notiere – die Melancholie bricht durch.

FILMTIPS

„Blow Up“, von Michelangelo Antonioni, ist die Geschichte einer Faszination, einer sehr spezifischen Faszination. Ihr Objekt sind Photographien; der ihr erliegt, ist ein Photograph.

Geflügelte Wortmalerei

Kunst im Dienst der Werbung? Soweit das im Rahmen der angewandten Kunst, mit Plakaten und Inseraten geschieht, ist es nichts Ungewöhnliches.

+ Weitere Artikel anzeigen