Wie Egon Monk als Nachfolger von Oscar Fritz Schuh gewählt wurde

Von Petra Kipphoff

Intendanten gehören in einer abgesicherten und verwalteten Gesellschaft zu den letzten, die die Macht der persönlichen Entscheidung, aber auch das Risiko der Freiheit sichtbar tragen. Das macht ihre Triumphe wie ihre Niederlagen so interessant und aufschlußreich, nicht nur für das Theater.

In Hamburg, der Stadt des wohlerwogenen Handels, wird zuweilen blitzschnell und couragiert gehandelt: Innerhalb eines Tages entschied man sich für einen neuen Intendanten für das „Deutsche Schauspielhaus“, machte ein Angebot, erhielt eine Zusage – Egon Monk, zur Zeit Leiter der Abteilung Fernsehspiel des Norddeutschen Rundfunks, wird die Nachfolge von Oscar Fritz Schuh übernehmen.

Zur Chronologie der Ereignisse ist noch nachzuholen: Am 3. Mai ließ Hamburgs Kultursenator Gerhart Kramer unter dem Siegel der Verschwiegenheit Professor Oscar Fritz Schuh wissen, daß die Hansestadt den 1969 auslaufenden Vertrag mit Schuh nicht zu verlängern wünsche, daß man ihm dieses jetzt bereits mitteilen wolle, damit er sich langfristig darauf einstellen könne.

Wie es mit dem Siegel der Verschwiegenheit in einer Welt der placierten und deplacierten Indiskretionen nun einmal so ist: Von dieser Entscheidung und, was wichtiger ist, einer möglichen Nachfolge Monks war. in der „Welt“ vom 9. Mai ausführlich zu lesen.

Einen vorolympischen Wettkampfcharakter bekam die Angelegenheit noch dadurch, daß in Hamburg jetzt auch publik wurde, daß Monk bereits ein Angebot aus Frankfurt hatte. Er sollte dort die Nachfolge von Harry Buckwitz als Generalintendant von Oper und Schauspielhaus antreten. Vierundzwanzig Stunden, so hieß es, habe Monk noch Zeit, in Frankfurt zuzusagen – da handelte die Hansestadt. Und wenn dem Wunsch Professor Schuhs, der in einem Brief vom 8. Mai den Kultursenator um vorzeitige Beendigung des Vertragsverhältnisses bat, entsprochen wird, so wird ab August 1968 Egon Monk in Hamburg zu zeigen versuchen, was er unter Theater versteht.