Die letzte Sturmflut hat an der Dünenkette des Weststrandes genagt. Die Dünen sind wieder einmal gesichert worden. Neue hölzerne Pfade führen zum Strand. Die großen Mondlandschaften sind aber unberührt. In Hörnum sind die kleinen Häuser auf der Dünenkette gefährdet. Die Nordsee arbeitet an der Insel.

In List und Rantum wird es bald Saunas geben, nahe dem Meere, damit man zu jeder Jahreszeit in die Brandung laufen kann. List möchte eine Gret-Palucca-Straße haben. Die Ehrenbürgerin lebt in Dresden, aber sie ist Gast im Winter. Die Kurkapelle von Westerland spielt das Westerlandlied, das zu Pfingsten ins Repertoire aufgenommen wurde. Auf dem Golfplatz von Morsum beginnt das große Laufen und Schlagen gegen den Wind.

Die Taxichauffeure kennen die Häuser, die sie den Fahrgästen nennen müssen: Görings schwarzes Haus in Kampen; die „Friesenburg“ der Bayreuther Wagners in Keitum; Minister Schröders Haus in Kampen.

Rudolf Schock möchte im mittleren Appartementhaus des neuen Westerländer Kurzentrums einziehen. Das ist aber erst im Fundament fertig. Riesige Drehkräne arbeiten Tag und Nacht. Aber alles geschieht leise. Der Kurgast soll nicht gestört werden. Der Nordbau des Kurzentrums ist fast fertig. Die neue Skyline von Westerland wächst heran. Bald ist das norddeutsche Cannes komplett.

Inzwischen hat sich die Abneigung der Sylter gegen die Appartementwelle gelegt. Man fürchtete für die Hotels, Pensionen und die zahllosen Zimmervermieter. Doch die Appartementbesitzer ziehen neue Gäste nach. Sylt sieht 1967 einem großen Gästejahr entgegen. Aber die Preise sind geblieben.

Beim Haus Rungholt in Kampen auf der Heide entstehen drei Atrium-Appartementhäuer: „Wotan“, „Freia“ und „Baldur“. Die beiden Atrium-Appartementhäuser „Pamir“ und „Passat“ in Wenningstedt sind das Vorbild: Anpassung an die Landschaft, anonymes Wohnen, Windschutz. Hundert Meter Mindestabstand von der Kliffkante sind vorgeschrieben.

Die Sylter Inselfriesen sind durch die vielen Neu-Sylter mit Zweitwohnungen zu Spielern geworden; nicht alle, aber manche. Die Kampener Nachtlokale haben die Westerländer Jugend zu ihrem Ganzjahres-Beat-Lokal angeregt, dem alten „Dorfkrug“ am Bahnhof, der mit der „Blockhütte“ jetzt das heißeste Nachtlokal der Insel ist, mit Diskjockey, freundlichen Kellnerinnen, Bier und Coca, die Flasche Bier für Einsfünfzig – dafür kann man bis morgens zwei Uhr tanzen. Sylt verjüngt sich auch ohne Gäste. Was einst vom Festland mit der Saison an neuen Moden auf die Insel kam, ist längst schon auf der Insel zu Hause.