R. Z., Bonn, im Mai

Helmut Kohl, der CDU-Vorsitzende von Rheinland-Pfalz, macht seinem Ruf als dynamischer Politiker und eifriger Reformer alle Ehre – zum Mißvergnügen seiner eigenen Parteifreunde. Sein Ziel ist es, in Rheinland-Pfalz, das viele Jahre lang im Geruch stand, die schwärzesten und konservativsten Christlichen Demokraten zu beherbergen, die CDU zu einer modernen Partei zu machen, zu einem Modellunternehmen für andere Landesverbände.

Im Wahlkampf hat Kohl die Abgeordneten auf die Straße geschickt. Und auch ehrwürdige Honoratioren befolgten schließlich seine Devise: „Ran an den Wähler!“ Der Erfolg blieb nicht aus – die Christlichen Demokraten errangen einen überzeugenden Wahlsieg. Bei der Regierungsbildung bediente sich Kohl ähnlicher unkonventioneller Methoden. Obwohl noch nicht Ministerpräsident – er soll erst in zwei Jahren Peter Altmeier ablösen –, boxte der 37jährige Kronprinz eine Mannschaft seiner Wahl durch.

Aus Bonn holte Kohl sich drei Abgeordnete für die Regierungsgeschäfte in Mainz. Bernhard Vogel, der Bruder des sozialdemokratischen Münchener Oberbürgermeisters, knapp 35 Jahre alt, soll das Kultusministerium übernehmen, der 37jährige Heinrich Geissler, aus Kiesingers junger politischen Garde in Stuttgart hervorgegangen, soll Arbeitsminister werden, und Heinrich Holkenbrink, gemessen an den Jungministern mit 47 Jahren schon fast ein betagter Herr, ist als Staatssekretär vorgesehen.

Kohl hat sich über Würde und Dienstalter anderer Aspiranten hinweggesetzt. Es ist keine sehr bequeme Partei, die er in Rheinland-Pfalz aufbaut – weder für die Honoratioren in den eigenen Reihen noch für die politischen Gegner.