In Tokio bestätigte Bundesaußenminister Brandt, was das Auswärtige Amt jüngst auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Schultz geantwortet hatte: „Für die Bundesregierung besteht kein Anlaß, Gespräche mit Peking zu suchen.“

Die Bundesregierung trat damit Gerüchten entgegen, die kürzlich in Ost und West verbreitet worden waren: daß die Bundesrepublik und China in Paris oder Bern Geheimverhandlungen über den Austausch von Handelsmissionen führten.

Nahrung fanden jene Gerüchte in der Tatsache, daß

  • Peking mit einem deutsch-französischbelgischen Firmenkonsortium über die Lieferung eines Walzwerks an China im Wert von 750 Millionen Mark verhandelt, von denen die Hälfte durch Hermeskredite abgedeckt werden soll, und daß
  • der deutsch-chinesische Handel im Jahre 1966 ein Rekordvolumen von 900 Millionen Mark erreicht hatte. Die Bundesrepublik ist damit – vor England und Frankreich, die diplomatische Beziehungen zu Peking unterhalten – der größte westeuropäische Handelspartner Chinas geworden.

Vereinbarungen zwischen deutschen Wirtschaftsunternehmen und den staatlichen chinesischen Handelsgesellschaften sind aber nach wie vor die einzige Grundlage, auf der sich der deutschchinesische Warenaustausch abspielt.

Im Jahre 1966 hatte der US-Senat dieses bislang größte deutsch-chinesische Einzelprojekt verurteilt. Bonn hat von Anfang an darauf verwiesen, daß das geplante Werk den chinesischen Stahl lediglich Feinblech auswalzen soll. Dies fällt nicht unter die westlichen Embargobestimmungen, die den Export von kriegswichtigem Material nach China verbieten.

Indessen bleibt die Bundesregierung dabei: Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen sollen nicht durch den Abschluß eines Handelsabkommens und den Austausch von Handelsmissionen formalisiert werden. Das entspricht einer Zusage, die Bundeskanzler Erhard im Sommer 1964 in Washington machte – nachdem der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Otto Wolff von Amerongen, 1963 in Bern mit chinesischen Diplomaten verhandelt hatte und eine entsprechende Initiative des Auswärtigen Amtes vorbereitet war.

Ebensowenig erfüllte sich der alte FDP-Traum, Moskau in der Deutschlandfrage durch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Peking unter Druck zu setzen. Zwar hatte der, chinesische Außenminister Tschen Ji 1964 erklärt, China wünsche die friedliche Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands und wolle korrekte Beziehungen zu beiden Teilen. Dann aber wechselte Peking seinen Standpunkt.