In der vorigen Woche empfing die Bundesregierung viel Post aus Ostberlin. Es schrieben

  • der Vorsitzende des Ministerrats der DDR, Willy Stoph, an Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger
  • der Verkehrsminister der DDR, Erwin Kramer, an Bundesverkehrsminister Georg Leber und
  • der Postminister der DDR, Rudolph Schulze, an Bundespostminister Werner Dollinger, was in Bonn dementiert wurde.

Die Bundesregierung nahm diese Briefe zur Kenntnis und kündigte eine „Reaktion“ an, die „den deutschen Rechtsstandpunkt“ freilich nicht antasten werde.

Das Schreiben des DDR-Ministerpräsidenten Stoph enthält das bekannte Maximalprogramm der SED: Anerkennung der DDR, gegenseitiger Gewaltverzicht, Anerkennung der Grenzen in Europa, „insbesondere der Grenze zwischen beiden deutschen Staaten“, Herabsetzung der Rüstungsausgaben, Verzicht auf Atomwaffen.

Auf menschliche Erleichterungen im Verkehr zwischen beiden Teilen Deutschlands geht Stoph erst in zweiter Linie ein: Die „Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten“ müsse der „Entwicklung normaler zwischenstaatlicher Beziehungen, u. a. auf den Gebieten der Wirtschaft und des Handels, des Verkehrs, des Post- und Fernmeldewesens“ vorangehen.

Stoph erklärt sich bereit, mit Kiesinger in Ostberlin oder Bonn über seine Vorschläge zu verhandeln.

Direkte Verhandlungen „über die Beendigung des zweijährigen vertragslosen Zustands im grenzüberschreitenden Eisenbahngüterverkehr zwischen beiden deutschen Staaten“ schlägt auch DDR-Verkehrsminister Kramer vor. Der Ostberliner Postminister Schulze fordert einen finanziellen Ausgleich der Deutschen Bundespost für Leistungen der „Deutschen Post der DDR“ im Paket-, Telephon-, Telegramm- und Telexverkehr.