Von Dietrich Strothmann

In dem Flur, links an der Wand, hängt noch immer das metergroße rote Plakat mit dem weißen Mond in der Mitte. „Jetzt auch hier – NPD“ steht auf dem bunten Papier. Die drei Buchstaben des Parteinamens füllen das kreisrunde Loch aus.

Das Plakat mit dem Bürstenwaren-Slogan – „Jetzt auch hier zu haben“ – Hängt in der Bundesgeschäftsstelle der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands, Hannover, Marienstraße 5, dritter Stock. Es hängt dort schon seit zwei Monaten, seit die Parteizentrale in diese Räume eingezogen ist.

Adolf von Thadden, seit seinen politischen Jungferntagen im Bonner Bundestag von den einen immer wieder scherzhaft „Bubi“ genannt, von anderen eher mokant als pommerscher Edelmann tituliert, ist noch immer Hausherr im dritten Stock der Hannoverschen Marienstraße 5. Er amtiert dort weiterhin als Bundesgeschäftsführer, als stellvertretender Bundesvorsitzender und als „Hauptschriftleiter“ des Parteiblattes „Deutsche Nachrichten“. Beinahe wäre er auch noch, im Frühjahr, Landesvorsitzender von Niedersachsen geworden – wenn ihn nicht der damalige Parteichef Friedrich Thielen kurzerhand aus der NPD geworfen hätte, vergebens freilich. Und beinahe wäre er auch noch, in der vergangenen Woche, Bundesvorsitzender geworden – wenn ihn nicht die Stadt Nürnberg in einem rigorosen Kraftakt daran gehindert hätte, bis zum Herbst immerhin.

Adolf von Thadden, der Bubi, der Landedelmann aus dem Pommerschen, hat sich mittlerweile eine dritte Spitzmarke verdient: er ist der Parteimann, der von seinen Niederlagen lebt. Und seine Partei, die der Nationaldemokraten („Wir setzen uns durch“ – „Man kann wieder wählen“ – „Jetzt auch hier“), ist eine Partei, auf der Suche nach einer Versammlungshalle geworden.

Rechts ist heute in der Bundesrepublik da, wo die Pechvögel sitzen. Seit 1945 haben die Nationalistischen nichts als das Nachsehen. Der NPD samt ihrem Thadden wird es kaum anders ergehen – mögen ihr auch Abtrünnige wie Thielen, der unterdessen eine neue Partei, die Nationale Volkspartei, aus dem Ärmel schüttelte oder aufgebrachte Stadtväter wie die Wiesbadens und Nürnbergs immer neue Märtyrerkronen winden. Mit Thaddens neuer Rechten wird dennoch kein Staat zu machen sein – und eine „nationale Opposition“ schon gar nicht.

Er, ein Hansdampf in allen NPD-Gassen, schafft es nicht einmal, eine halbwegs anständige Zeitung zu machen, was er selber ohne Zögern zugibt. Und da will der Bundesgeschäftsführer und Vizevorsitzende, der Parteichef in spe – nach der Delegiertenkonferenz im Herbst – und Hannovers Fraktionsführer in spe – nach der Niedersachsen-Wahl am 4. Juni – auch noch seine Partei auf Vordermann bringen?