Die Werbung der Bundesbahn mit hübschen Bildern, ansprechenden Texten und munteren Slogans gilt als vorbildlich. So fallen auch ihre Anpreisungen der Autoreisezüge auf. Aber halten diese Züge der Bundesbahn, was die Werbung verspricht? Welche Vorteile hat der Huckepack-Verkehr, welche Nachteile?

Für die Verladung eines Mittelklassewagens von Hamburg-Altona nach Chiasso und zurück beispielsweise bezahlt man 381 Mark. Rechnet man den 1.-Klasse-Fahrpreis mit 299 plus 39 Mark Zuschlag für ein Double-Bett hinzu, stellen sich die Gesamtkosten für zwei Personen auf 917 Mark.

Natürlich läßt sich nachweisen, daß die Reise im eigenen Wagen nicht billiger ist, wenn man neben Betriebs- und Übernachtungskosten die Amortisation in die Kalkulation einbezieht. Doch wer rechnet schon so außer dem Finanzamt gegenüber und bei der Abrechnung von Kilometergeldern. Bei der Finanzplanung für den Urlaub geraten diese kalkulatorischen Grundsätze in Vergessenheit: Allein die direkten Kosten zählen, das Auto ist ja da. Wer mit der Mark rechnen muß, erfährt, daß er mit rund 200 Mark für Benzin und Übernachtung Chiasso erreichen kann. Das „Auto im Reisezug“, das 700 Mark teurer ist, kommt für ihn nicht in Frage.

Benutzer des Autoreisezuges ist, wer sich lieber fahren läßt als eigenhändig zu fahren, und wer sich diesen Luxus finanziell erlauben kann. Ein exklusiver Kreis also! (Als ich Anfang Mai in Chiasso meinen Wagen nach Hamburg verlud, befand ich mich in folgender Gesellschaft: ein Jaguar Mark 2, ein Mercedes 250 SE Cabrio, ein Jaguar Mark 10, ein Chevrolet, ein Citroën DS 19.) Aber wiederum nicht so exklusiv, daß die Autoverladung nicht ein Massengeschäft mit ständig steigender Nachfrage wäre: 1956 beförderte die Bundesbahn 930 „Autos im Reisezug“, 1960 waren es 9065, 1964 stieg die Zahl auf 29 418 und 1966 sogar auf 47 675.

Befragt, weshalb sie verlüden, anstatt in ihren großen, bequemen, schnellen Wagen selbst zu fahren, antworten meine Reisegefährten:

Die Besitzer des kleinen Jaguar (älteres Ehepaar aus Dänemark): „Die lange Strecke, vor allem die Autobahnfahrt, ist uns zu strapaziös. Wir lieben unsere Bequemlichkeit.“

Der Mercedesfahrer (Herr um die Vierzig aus Hamburg): „Ich habe eine gute Woche Kurzurlaub gemacht. Wenn ich da selbst fahre, zwei Tage hin, zwei zurück, bleibt nichts mehr nach.“