Von Ulrich Lohraar

Georg Picht: Prognose, Utopie, Planung. Die Situation des Menschen in der Zukunft der technischen Welt. Ernst Klett Verlag, Stuttgart; 62 Seiten, 4,80 DM

Mit dem Namen Georg Picht verbindet sich für viele der Begriff der Bildungskatastrophe. Sein Buch zu diesem Thema hat politische Wirkungen gezeitigt. Wird man das auch von seiner neuen Schrift sagen können?

Die drei Begriffe, die Picht hier genauer zu bestimmen sucht, stehen in engem Zusammenhang miteinander. Wissenschaft, so erinnert er uns, sei die Erkenntnis von Objekten. „Sie ist wahr, wenn sie mit dem Objekt übereinstimmt, sie ist falsch, wenn sie dem Objekt widerspricht. Aber alles, was in der Zukunft liegt, ist dadurch definiert, daß es uns als Objekt nicht gegeben sein kann. Deshalb können Aussagen über die Zukunft im Sinne der Wissenschaft nicht wahr sein.“

Hier nun übernimmt Picht weitgehend die These von Helmut Schelsky, daß die Wissenschaft die technischen Bedingungen unseres Lebens weithin bestimme, damit aber auch die politischen, gesellschaftlichen, staatlichen Verhaltensweisen und Verhaltensmöglichkeiten. „Der Mensch ist also im Zeitalter der wissenschaftlich-technischen Zivilisation zum Produzenten seiner eigenen Zukunft geworden ... Er wird vom Produzenten zum Produkt; aber das Produkt ist mit dem Produzenten nicht identisch, die produzierte Zukunft nicht mehr die eigene Zukunft.“ Darüber, so meint Picht, gelte es heute zu reflektieren. Denn wo der Mensch die Folgen seines Handelns überblicken wolle, müsse er ein Wissen von der Zukunft haben. Der Widerspruch zwischen dieser Forderung Pichts und seiner Eingangsthese ist offenkundig. Er sucht ihn mit Hilfe eines neuen Verständnisses seiner drei Begriffe zu überbrücken.

Prognose nennt Picht den Versuch, unter Verwertung aller verfügbaren Informationen festzustellen, welche künftigen Entwicklungen in einem genauer zu definierenden Feld unter bestimmten Voraussetzungen, die analysiert werden müssen, nach zu berechnenden Wahrscheinlichkeitsgraden eintreten werden. Utopie ist für ihn kein Traumbild einer unwirklichen Welt, sondern der Entwurf von Bildern jener Zustände, die durch zielbewußtes Handeln herbeigeführt werden können. So, stehe dieUtopie keineswegs im Widerspruch zur Prognose, sondern sie wähle aus dem prognostisch zu ermittelnden Spielraum der Möglichkeiten jene Kombination aus, die von dem jeweiligen Standpunkt her als Optimum erscheint. Planung wiederum geht nach Picht über die Prognose hinaus. „Die Intention der Planung ist nicht die Wahl oder der Entwurf der Utopie, sondern die Ausarbeitung der Direktiven für die Realisierung der Utopie. Ihre Methode ist deshalb analytisch.“

So sei, meint Picht, im anthropologischen Sinne die Prognose in ihrer reinen Form eine Leistung des Denkens, die Utopie liege im Bereich der Hoffnung, der Wünsche und der Sorgen, die Planung sei ein Vollzug des Willens.