Das Eisenacher Automobilwerk wird im Jahr der 900-Jahr-Feiern 70 Jahre alt. In Eisenach wurde der erste Wartburg-Motorwagen konstruiert, in den zwanziger Jahren die bewährten Dixi-Modelle und Anfang der dreißiger Jahre die berühmten BMW-Modelle, deren Weiterentwicklung mit den damals wohl schönsten Schöpfungen BMW 327 und BMW 328 bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eingestellt wurde.

Nach Kriegsende begann man mit dem Bau des BMW 321 und ging 1949 zu einer Weiterentwicklung dieses Typs, dem 340-2 über. Parallel dazu wurde das ehemalige BMW-Coupé 327 mit 55-PS-Motor wieder in Serie gebaut. 1953 begann das Werk (von der sowjetischen Kontrolle freigegeben) mit der Produktion des IFA F 9 mit Zweitaktmotor. Aus diesem Auto wurde später der Wartburg 311, 312 und 353 entwickelt.

Das Automobilwerk, in den letzten Jahren mit modernsten Maschinen aus Frankreich, der Schweiz, der Sowjetunion und der Bundesrepublik ausgerüstet, beschäftigt etwas über 8000 Menschen, zum großen Teil Facharbeiter, die ihr Leben lang in Eisenach tätig waren.

Der neueste Wartburg 1000 soll hauptsächlich für Devisen verkauft werden. Darum sucht das Werk die Konkurrenz mit der westlichen Automobilindustrie. „Das Blech für die Karosserie wird aus Westdeutschland importiert. Wir wollen in der Qualität nicht nachstehen“, sagt ein Werksingenieur.

Dennoch sei ein Unterschied zwischen der Karosserie des Wartburg und des VW zum Beispiel. „Das Blech für den Wartburg ist ungefähr 0,1 bis 0,2 Millimeter dicker.“ Die Eisenacher wollen besser sein als die in Wolfsburg.

Doch ein Automobil besteht nicht nur aus Blech. „Wir sind der Meinung, daß der Wartburg-Motor robuster ist als der Volkswagen. Besonders beliebt ist er in kalten, nördlichen Ländern. Wir exportieren die meisten Wagen nach Finnland Tatsächlich ist der Wagen für kalte Zonen sehr geeignet. Er hat eine 12-Volt-Lichtanlage. Der Zweitakter springt bei Kälte leichter an.

Rund 40 Prozent der Produktion gehen in den Westen. Die restlichen 60 Prozent müssen laut Handelsabkommen auf die Länder des sozialistischen Blocks (außer Sowjetunion) verteilt werden. Drei bis vier, zum Teil fünf Jahre müssen die Käufer im östlichen Lager auf einen Wartburg warten. Auch in der DDR. Doch dies soll nach 1970 besser werden.