Österreich sucht Kontakt mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, weil es die Hälfte seines Außenhandels mit den „Sechs“ abwickelt. Moskau hat das gar nicht gern, weil eine Bindung an die EWG den österreichischen Wohlstand hebt und damit der ohnehin abgemeldeten KP die letzten Chancen raubt. Offiziell bedient sich die Sowjetregierung allerdings eines anderen Arguments gegen Österreichs Anschluß wünsche: Die Verbindung der österreichischen Wirtschaft mit der Gemeinschaft gefährde Wiens Neutralität und bedeute den heimlichen „Anschluß“ an Deutschland. Beides untersagen Österreichs Neutralitätsstatus und der Staatsvertrag mit den Alliierten.

Indes, das stimmt nicht. Zwischen Wien und der EWG sind Lösungen geplant, die der Neutralität keinen Abbruch tun. Doch Moskau macht trotzdem Schwierigkeiten. Wer sich darum mit dem Kreml gutstellen will, kann die Wiener Vertragswünsche nur unterstützen, wenn er die Haltlosigkeit der sowjetischen Vorwürfe beweist.

Das scheint de Gaulles Außenminister Couve de Murville nun vorzuhaben. Vor einigen Tagen stellte er sich hinter Österreichs EWG-Begehren. Man darf gespannt sein, was Moskau Wiens gaullistischen Advokaten antworten wird, wenn Frankreich als Signatarmacht des Staatsvertrages die EWG-Bindung des neutralen Österreichs definitiv gutheißt. hb.