München

Zehn Tage vor dem Deutschlandbesuch des persischen Kaiserpaares ging der Münchener Polizei der erste Fisch ins Netz. Der Untertan Seiner Majestät, Zia Razavi, Angestellter im Archiv der Süddeutschen Zeitung, wurde verhaftet. In seinem Schreibtisch hatte der Perser („Mein Vertrauen wurde mißbraucht“) Materialien verwahrt, wie sie zur Herstellung einiger ebenfalls sichergestellter Sprengstoffpakete verwendet worden waren.

Bayerns Polizei, in deren Amtsbereich die meisten und aktivsten Exilgruppen leben: „Wir raten ihnen dringend an, sich für die Zeit des Schah-Besuches ein hieb- und stichfestes Alibi zu verschaffen.“

Die Bayerische Staatskanzlei überreichte unterdessen den in München ansässigen Journalisten ein Merkblatt, der ihnen als Leitfaden für die Möglichkeiten der Berichterstattung dienen soll. Da heißt es beispielsweise: „Berichterstattung im Nebenherlaufen u. ä. wird nicht möglich sein.“ Die Wohnräume des Herrscherpaares können, so heißt es, am 29. Mai von 9 bis 14 Uhr besichtigt und photographiert werden. Geraucht darf dabei nicht werden, dafür kann Licht mitgebracht werden. Allerdings nur bis zu einer Stärke von 4000 Watt. Denn: „Mehr wegen der Gefahr des Abschmelzens von Blattgold nicht möglich“.

*

Das Leben des Leichenwärters von Stammham bei Altötting, Xaver Reisbeck, wäre ohne Aufregung verlaufen, hätte es an einem Maiabend in der Nachbargemeinde nicht einen schweren Unfall gegeben. Das Geschwisterpaar Hildegard und Georg Rasp wurde von einem Auto angefahren und getötet. Noch vor der Beerdigung begannen die Schwierigkeiten, die bis heute dem alten Leichenwärter das Leben schwer machen.

Denn – Hildegard war geschieden und durch eine neue Heirat für katholische Gemüter „sündig“ geworden. Der Ortspfarrer übermittelte den Wunsch der Mutter, die ihre beiden Kinder gern gemeinsam beerdigt sehen wollte, weiter an das Bischöfliche Ordinariat in Passau. Dieses beschied den Pfarrer, die Schwester „halt auch mitzunehmen“.