Mit Nachdruck, wenn auch etwas verklausuliert, versuchte Gewerkschaftsführer Ludwig Rosenberg der Preisbindung den Todesstoß zu versetzen. Auf der Maifeier verlangte der DGB-Vorsitzende die „Abschaffung aller Blockierungen eines Wettbewerbs, der durch Konkurrenz und vielfältiges Angebot ungerechtfertigte Preisbindungen verhüten muß.“

Nur zähneknirschend hatten sich die Gewerkschaften vom Bundeswirtschaftsminister an die Leine nehmen lassen und Wohlverhalten bei ihren Lohnforderungen versprochen.

„Aber dieser erste Schritt muß unverzüglich verbunden sein mit Maßnahmen, die dem Arbeitnehmer zugute kommen“, forderte Rosenberg am 1. Mai, dem traditionellen Kampftag der Arbeiterschaft.

Es war dann auch Schiller, der als Geste gegenüber den Gewerkschaften für die zweite Phase der „konzertierten Aktion“ die Aufhebung der Preisbindung in die Debatte warf. Von Journalisten befragt, wie er denn die von ihm beschworene „soziale Symmetrie“ wiederherstellen wolle, meinte der Minister, man könne an eine Senkung des Zinsniveaus, eine verstärkte Wettbewerbspolitik zugunsten der Verbraucher, eine Aufstockung der Kilometerpauschale und an eine Förderung der Vermögensbildung bei Arbeitnehmern denken.

Seit die Preisbindung für Markenartikel im „Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen“ – wie das Kartellgesetz offiziell heißt – weiter erlaubt wurde, geht der Streit darüber, ob dieses Instrument der Absatzpolitik eigentlich mit der Marktwirtschaft zu vereinbaren sei oder nicht. Das Bundeskartellamt selbst hat in all den Jahren kaum ein Hehl daraus gemacht, daß es die Preisbindung nicht liebt.

Unter der „Preisbindung der zweiten Hand“, wie es korrekt lauten muß, versteht man die Möglichkeit, daß der Produzent eines Markenartikels den Endverkaufspreis seines Produkts festsetzt und dabei gleichzeitig dem Großwie dem Einzelhandel die Handelsspannen vorschreibt. Der Artikel soll also überall das gleiche kosten, im Supermarkt so gut wie im letzten Kramladen auf dem Dorf.

Wann immer nun in den letzten Jahren die Preisbindung im Gerede war, gab es spektakuläre Preisstürze und Preiskämpfe. Bei der Schokolade beispielsweise.